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Im deutschen Reich · 1902-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1902) · p. 344

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1902)
Article
Die bayrischen Parlamentarier jüdischen Glaubens
Date
1902-06-01
Page
344 (sequence 12)
Language
German
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deutschen Reich. 344 in den Saal ein, als die Wogen der Debatte, begleitet von den alle Dämme der Hausordnung durchbrechenden Zurufen des Galleriepublikums, bereits hochschlugen. (Vergl. Sybel: Begründung des Deutschen Reiches VII, S. 362 ff.) Und als der ultramontane Abgeordnete Westermayer in seiner Rede, mit welcher er am 19. Juli, nachdem die Kriegserklärung bereits erfolgt war, zu Gunsten der bewaffneten Neutralität als des kleineren Uebels für Bayern eintrat, darüber Bedenken äußerte, ob die Pfälzer nicht vor den Gräueln des Krieges zurückschrecken würden, da ergriff auch der jüdische Kaufmann das Wort und rief aus: „Ich komme aus der Pfalz und kann mittheilen, daß in der Pfalz über diese Frage eine Meinungsverschiedenheit nicht besteht. Alle Parteien sind einig, daß man, wie es auch kommen mag, den Franzosen in den Weg treten müsse, und man ist nur darüber erstaunt, daß von Seite der Königl. Regierung n o ch nicht Vorkehrungen genug getroffen sind, daß n o ch nicht unsere Truppen da sind. Wir wollen unter allen Umständen mit Deutschland gegen Frankreich gehen, was auch d uaus werde. Die Pfalz ist einmülhig bereit, im Nothfalle lieber unterzugehen, als schmachvoll zu bestehen unter dem Schutze Frankreichs. Die Pfalz kennt und weiß, was ihr bevorsteht, sie hat die Geisel des Krieges schon mehr als einmal, sic hat auch den Druck der Fremdherrschaft gefühlt. Meine Vaterstadt ist 114 Jahre anhaltend unter der französischen Herrschaft gestanden und will dies nicht mehr erleben. Wir wissen, daß wir von unseren norddeutschen Brüdern im Jahre 1813 von der Fremdherrschaft befreit wurden und daß wir jetzt mit ihnen gehen müssen trotz aller Gefahr. Wir rechnen auf Ihren Beistand hüben und drüben und hoffen, daß Sie uns nicht ohne Kampf untergehen lassen. Wenn Sie neutral bleiben, sind wir für Sie verloren.*) In den ruhigeren Zeiten, die dem Friedensschlüsse folgten, ergriff Levi nur selten das Wort, um in kurzer Rede als Mitglied des Finanzausschusses über wichtige Positionen des Staatshaushalts den Bericht zu erstatten oder, in gewandter Form und mit treffenden Bemerkungen über Handelssragen sich zu äußern. Aber zahlreiche Arbeiten, insbesondere Handels- und finanzpolitischem Inhalts, die sich in seinem schriftlichen Nachlaß vorsinden, lassen erkennen, mit welchem Ernst und mit welcher Gründlichkeit er sich in die Aufgaben eines Palamentariers vertieft hatte, und lassen das Bedauern begreiflich erscheinen, das seine Freunde empfanden, als er schon i. I. 1875 eine *) Vergl. „Ludwig II. und Bismarck 1870" von Louife v. Kobell S. 15.

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