Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- Die bayrischen Parlamentarier jüdischen Glaubens
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 343 (sequence 11)
- Language
- German
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Die bayrischen Parlamentarier jüdischen Glaubens. 343 Jahre 1887 auf 1888 ungeachtet der Schärfe seines Geistes seine Krankheit ihm vielfach die Arbeit erschwerte. Was wir aber ganz besonders hoch zu achten hatten an dem Verlebten, das war seine eigene Achtung vor dem Rechte der Gewissensfreiheit: das Recht der Gewissensfreiheit beanspruchte er für sich und für alle anders Denkenden, und nie kam ein Wort über seine Lippen, das anders Denkende hätte kränken oder zur Verstimmung bringen können." iv. Simon Levi (1817—1900). An den Bestrebungen zur Uebcrbrückung der Mainlinie und zur Vereinigung des Südens mit dem Norden bcthciligte sich auch ein schlichter Mann aus dem Kaufmannsstande, dessen Name nicht übersehen und vergessen werden darf in der Geschichte der Wiederausrichtung des Deutschen Reiches, nämlich der am 21. April 1817 in Kirchheimbolanden (Pfalz) geborene Simon Levi. Seit 1848 in Landau ansässig, lenkte er durch sein Interesse für alle öffentlichen Angelegenheiten des Handels und der Welthändel die Ausmertsamkeit seiner Mitbürger aus sich Go mochte damals nicht Viele in Bauern geben, die gleich ihm schon vor dem Ausbruch des Bruderkrieges v. I. 1866 offen und entschieden für den Anschluß an Preußen Partei ergriffen. Wie wenig ihm in den Augen seiner Mitbürger diese Parteinahme für die nach dem Kriege nicht beliebter gewordenen Preußen geschadet hat, bewies die Thatsache, daß der Wahlkreis Landau-Neustadt ihn 1869 in den Landtag entsandte. Tie Gelegenheit an dieser Stätte der Entscheidung für die nationale Sache zu wirken, kam rascher als man es erwartet hatte. In den schwülen Julitagen d. I. 1870, als die Brust eines jeden Deutschen tief bewegt war von der Sorge um die ungewisse Zukunft, war er von der Hauptstadt des Landes in seine Heimath geeilt, um in der zunächst bedroht erscheinenden kleinen Grenzfestung Landau sein Haus zu bestellen und seine Familie zu beschützen. Da zeigte ihm ein Telegramm seiner politischen Freunde an, daß im Prannersaale das Zünglein an der Wage der Kammerabstimmung schwankte und daß es zur Entscheidung über die Frage, ob die Bayern diesmal mit ihren nordischen Brüdern in den Kampf gegen den Erbfeind ziehen sollen, auf wenige Stimmen ankommen könne. Sofort kehrte er nach München zurück und trat