Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- Die bayrischen Parlamentarier jüdischen Glaubens
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 345 (sequence 13)
- Language
- German
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Die bayrischen Parlamentarier jüdischen Glaubens- 345 ihm dringend angebotene Wiederwahl mit der Begründung ablehnte: „weil die Alten den jüngeren Kräften rechtzeitig Raum geben müßten; wir haben viel zu viel Alte und Zu wenig Junge in den Parlamenten".*) Nach seinem Ausscheiden ans dem Parlament widmete er seine reiche Arbeitskraft bis ins höchste Greisenalter dem Dienste zahlreicher Ehrenstellen, die ihm übertragen wurden, insbesondere als Mitglied des Verwaltungsrates der Pfälzischen Eisenbahnen, in welchen er durch königliche Ernennung berufen wurde, ferner als Mitglied des Stadtraths und als Vorstand der israelitschen Kultusgemeinde in Landau. Daß dieser Mann, der allein durch eigene Tüchtigkeit emporgestiegen war zur Höhe allgemeiner Anerkennung, wenigstens in seiner engern Heimath als ein treuer Führer und Berather seiner Glaubens« genossen im noch heute nicht erledigten Kampfe um die Gleichberechtigung auf der Bresche stand, verdient besonders hevorgehoben zu werden. Für sein Verständniß der in Betracht kommenden Verhältnisse bezeichnend ist ein Wort, das er Ende der 50er Jahre in einer in Neustadt abgehaltenen Versammlung von Israeliten gesprochen haben soll: „Die Emancipation erscheint mii wie ein erhöhter Punkt, dem von veischiedenen Leiten drei Parteien zustreben: die Juden, die öffentliche Meinung der Kulturvölker und die Gesetzgebung ihrer Staaten. Nur wenn sie in dieser Reihenfolge am Ziele ankommen, wird sie auf die Dauer behauptet werden."**) Was mochte der Mann wohl gesagt haben, als er nach den Jahren des Kampfes und des Sieges auch noch die Jahre der Enttäuschung erlebte, daß zwar die Juden und die Gesetzgebung lange schon am Ziele angelangt waren und trotzdem die öffentliche Meinung der Kulturvölker von der Hohe, die sie in den 70er Jahren bereits erreicht hatte, wieder zurückgegangen und herabgesunken war auf das Niveau mittelalterlicher Zeiten? Mit dem Hinweis darauf, daß Levi au dem Zustandekommen der die Verhältnisse der israelitischen Kultuegcmeinden regelnden Kgl. Verordnung vom 27. März 1872 durch schriftliche Ausarbeitungen wie durch persönliche Conferenzen mit dem Minister Lutz einen hervorragenden Antheil hatte, können wir das Bild dieses Mannes ab- •) Mittheilung des Herrn Landgerichtsraths Dr. Georg Levi in Straßburg. **) Mittheilung desselben.