Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- Die bayrischen Parlamentarier jüdischen Glaubens
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 337 (sequence 5)
- Language
- German
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Die bayrischen Parlamentarier jüdischen Glaubens. 337 Parlamentsredner aus der Blüthezeit des neuen Deutschlands, der mit unerschütterlicher Ruhe ein oft hinreißendes Feuer der Begeisterung und mit einer Vielseitigkeit der Gesichtspunkte eine edle und volksthümliche Sprache zu verbinden wußte, die ihm leicht von den Lippen floß wie ein Quell aus verborgenen Tiefen. Eine Dosis von Humor verschaffte ihm öftere Heiterkeitserfolge, und treffliche Schlagworte machten eine von ihm als Sprecher seiner Partei gehaltene Rede zu einem Ziele, auf welches die Männer der Gegenpartei ihre Pfeile richteten. In der Form war er außerordentlich verbindlich und vornehm, aber war er einmal provociert, dann übermannte ihn das lebhafte Temperament und er schleuderte der klerikalen Kammermajorität Worte des Zornes hin, die sie verstummen machten. Frankenburger war ein Naturredner; was aber seiner Rede den Erfolg verschaffte, das war nicht blos die Form und der Inhalt, das war die Ehrlichkeit seiner Grundsätze und die Wahrheit seiner Empfindung. „Wenn Euch dieE ntwickclung zu langsam geht," — so rief er seinen Parteigenoffen zu — „sucht nur nicht mit schlechten und gewaltthätigen Mitteln dem Gange der Dinge nachzuhelfen; das Edle und Gute wird nur durch gute und edle Mittel erreicht; die Wahrheit siegt nur durch Wahrhaftigkeit." Zu diesen ungewöbnlichen Eigenschaften des Geistes und des Herzens kam dann noch eine Arbeitskraft hinzu, welche bichter zu bewundern als nachzuahmen ist. Man bedenke, daß Frankenburger, der die Last einer ausgedehnten anwaltschaftlicken Praxis zu tragen hatte, neben den Arbeiten, die er als Inhaber zahlreicher Ehrenstellen und als ständiges Mitglied des GemeindecoUegiums der Stadt Nürnberg besonders in seinen Ausschüssen für juristische Fragen und das Unternchtswescn hatte, es möglich machte, im bayerischen Landtage eine 20jährige Thätigkeit zu entfalten, welche allen während dieses Zeitraums entstandenen Gesehen die deutlichen Spuren seiner Mitarbeit aufprägte. Wer sich von der Gewissenhaftigkeit, mit der er die Aufgaben und Pflichten eines Volksvertreters erledigte, eine Vorstellung machen will, der lese das im engen Druck 15 Spalten lange Referat, das er Januar 1679 als Mitglied der Gesetzgebungscommission zur Erläuterung seines schriftlichen Berichtes über die neue Subhastationsordnung geliefert hat. Wer sich von seinem Wiffensumfang und dem Fleiß, den er auf dem Gebiete der inneren Verwaltungsfragen entwickelte, eine Vorstellung machen will, der lese z. B. das 23 Spalten lange Referat, das er April 1866 über Errichtung einer Mobiliar-Brandversicherungsanstalt lieferte. Am glänzendsten aber war er als Berichterstatter des Finanzausschusses, so oft.er seit 1874