Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- Die bayrischen Parlamentarier jüdischen Glaubens
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 336 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2316602-2316689-2316695-2329726--09673-2329846- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
336 Im deutschen Reich. standekommen des Einigungswerkes gesprochen und gewirkt. Es ist noch heute ein Genuß, die von jtaatsmännischer Weisheit zeugende Rede zu lesen, die Frankenburger am 18. Januar, dem Tage der Kaiserproklamation in Versailles, unter stürmischen Bravorufen der bäurischen Volksvertretung mit den Worten schloß: Mir ist es, als träte der Geist Uhlands in diesen Saal, um den Gegnern der Bündnißverträge zuzurufen: „Du hast das Ganze nicht erfaßt, Der Menschheit großen Schmerz. Du meinst cs löblich, doch du hast Für unser Volk kein Herz!" Auch nach erfolgtem Friedensschluß hat Frankenburger die hochangesehene Stellung, die er im bayrischen Landtage sich zu verschaffen wußte, dazu benutzt, um als Anhänger und Verfechter einer starken Centralgewalt gegen unberechtigten Partikularismns zu Felde zu ziehen, und der leitende Grundsatz seiner staatsrechtlichen Ausführungen lautet: Reichsrecht geht vor Landesrecht. Was dadurch im Lande geopfert würde, wir finden es im Reiche wieder in größerem Glanze. Dem Reichstage selbst, wo er Schulter an Schulter mit den anderen Führern der Fortschrittspartei gegen Pfuscharbeit und Compromißmacherei ankämpfle und neben Comnussionsarbcitcn besonders lebhaften Antheil hatte an den Berathungen der Neichsjustizgesehe, gehörte er als Vertreter von Nürnberg in Folge anderweitiger Ueberlastung nur während einer einzigen Wahlperiode vom Jahre 1874—1878 an. Hierbei mag erwähnt werden, daß Frankenburger die Vertheidigung des Grafen Arnim, für welche ihm ein geradezu fürstliches Honorar angebeten worden, mit Rückficht auf seine Partei, um ihr nicht den so beliebten Vorwurf der Reichsfeindschaft zuzuzichen, ablehnte und daß Fürst Bismarck gelegentlich einer späteren Unterredung, die er mit Frankenburger in Kissingen hatte, dieses sein Verhalten mit warmen Worten als patriotisch und lobenswerth anerkannte. Die Stärke der Persönlichkeit und das Geheimniß des Erfolges liegt in dem, was ein bekannter Schriftsteller das Selbstverständliche nennt, liegt im Moralischen. „Frankenburger war ein durch und durch ehrlicher und wahrer Mensch, ohne Falsch und Verstellung, rein wie Gold, und darum vermochte er in einem Maße zu überzeugen, zu begeistern, wie es nur wenigen gottbegnadeten Rednern eigen ist."*) Es ist wahr: Frankenburger war nicht einer derjenigen Vielredner, denen der Athem nie ausgehr, aber einer der bedeutendsten ') „Frank. Kurierv. 18. Juli 1889.