Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- Die bayrischen Parlamentarier jüdischen Glaubens
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 335 (sequence 3)
- Language
- German
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Die bayrischen Parlamentarier jüdischen Glaubens. 335 nur beim unbedenklichen Anschluß an den norddeutschen Bund gesichert sei, vor dem Untergänge retten. Die Grundsätze des Klerikalismus dagegen, der nicht blos separatistische Gesinnungen äußerte, sondern dessen Wortführer behauptet hatte, den Landesgesetzen dürfe nur gehorcht werden, wenn sie den von Rom gebilligten göttlichen Geboten nicht widersprächen, bezeichnteFrankenburger als geradezu staatsgefährlich. Der erste Antrag, den Frankenburger in der Kammer einbrachte, bezweckte die Freiheit der Presse und des Buchhandels als das beste Mittel zur Bildung des Volkes und zur Förderung der Kultur. Mit der Preßfreiheit, sagte er, gehe es wie mit der Gewissensfreiheit, sie ist Theorie, die auf dem Papier stehen bleibt. „Ich will nicht von den verkümmerten Rechten jener Staatsangehörigen sprechen, welche den nicht anerkannten Religionsgesellschaften angehören, ich will nur davon reden, daß unser Staat es bis heute noch nicht möglich gemacht hat, daß Angehörige verschiedener Konfessionen im Staate eine Ehe eingchen können, ohne sich einen Gewissenszwang aufzulegen." Hätte der deutsche Bundestag so viele Mühe, als er aus die Knechtung und Knebelung der Presse verwendet, aus die Förderung des deutschen Gedankens verwendet, es könnte jetzt eine große, freie Nation bestehen. Da brach der Krieg aus, der die deutsche Nation wie den Phönir aus der Asche erstehen ließ. Auch in der bayrischen Abgeordnetenkammer gab es einen Krieg; 47 Volksvertreter verweigerten die von der Regierung geforderten Kriegsgelder. Als diese 47 Vaterlandsfreunde nach der entscheidenden Abstimmung die Kammer verließen, begrüßte sie das Volk von München mit dem Rufe: „An den Laternenpfahl!" Die „Fürther Neuesten Nachrichten" nannten die Herren sogar „Vaterlandsverräther" und wurden dafür vom Staatsanwalt zur Rechenschaft gezogen. Frankenburger, der als Pertheidiger der angeklagten Zeitung diesen Ausdruck zu rechtfertigen versucht hatte, wurde dafür in der Abgeordnetenkammer von Dr. Rnland heftig an* gegriffen, aber als derselbe ihm seine christliche Gesinnung entgegenhielt, bemerkte Frankenburger: für eine solche Art von christliwcr Gesinnung habe er kein Verständnis;; es sei sebr zu beklagen, daß wir Deutsche in Folge der Zerrissenheit des Vaterlandes kein starkes Nationalgefühl haben; die ehemals deutschen Provinzen, nachdem sie mit der Schärfe des Schwertes zurückerobert worden, wieder herauszugeben, wie einige wollten, das wäre eine Schmach für das wieder erwachende Nationalgefühl. Damals in den fieberhaft erregten Januar- Lagen hat auch Frankenburger, der Jude, gegenüber denjenigen, die ihm ihre christliche Gesinnung entgegenhielten, mit machtvoller Beredsamkeit und großem Erfolge für die Annahme der Bündnißverträge und das Zu-