Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- Ein Buch zur Abwehr [Rezension]
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 330 (sequence 8)
- Language
- German
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330 Im Deutschen Reich. feit bereitet bat, wie jenen Tausenden von Jüngern und Meistern, die aus dem „Meere des Talmuds" die köstlichsten Perlen geschöpft. — Doch wer Chamberlains Urtheile und Darstellung des Judenthums richtig cinschätzen Witt, lese den Abschnitt im Buche Schreiners nach „Der Eintritt der Juden in die abendländische Geschichte", worin Lchr. außer dem bereits Angeführten eine Reihe von groben Schnitzern und Unrichtigkeiten in der Darstellung des Eh. nachweist. Als wichtig wäre noch hervorzuheben, daß, was Chamberlain als eine Erfindung des „germanischen Menschen" bezeichnet, was für ihn der „Mittelpunkt der germanischen Sittenlehre ist" nämlich „die Hebung der Tugend ohne Rücksicht auf zukünftigen Lohn — um ihrer selbst willen" in der Anschauung des Judeuthums tief begründet ist. Bekannt ist der Ausspruch des Antigonus aus Socho in den Sprüchen der Väter: „Seid nicht wie die Knechte, die dem Herrn dienen des Lohnes willen, sondern die Ehrfurcht des Himmels sei über Euch." (Aboth I, 3.) Das; diese Anschauung nicht vereinzelt blieb, sondern von den jüdischen Schriftstellern aller Zeiten mit allem Nackdruck betont worden, ist ans dem ausführlicheren Epcurse Schreiners zu ersehen. Schreiner 6 Kritik wird zu einer lauten Anklage gegen Chamberlain, daß dieser, bei Unkenntnis; selbst elementarster Thatsacheu des Antbeils der Juden an dem Ausbau der Wissenschaften, ohne Verständnis; der wichtigsten religionsgeschichtlichen Vorgänge, die Geschichte der Juden in den Staub zu treten bestrebt war, und macht ihn, wie die Literaten seines Schlages, dafür mitverantwortlich, — da ihre judenfeindlichen Aeußerungen und Urtheile eine suggestive Wirkung auf die gebildeten Kreise ausüben, — daß in den Köpfen noch immer jene Wahngebilde von einem „Blutrilus", von einer „jüdischen Geheimliteratur" herumspuken, und daß Bestrebungen sich geltend machen, auf dem Wege der Gesetzgebung nicht nur die Juden zurückzudrängen und zurückzusetzeu, sondern auch das Judenthum zu zerstören. Seiner Abwehr fügt Schr. im Anhänge noch eine Darlegung „der Idee des Martyriums im Judenthume" an, an welche er ernste, beherfigenswerthe Mahnungen knüpft, die er an die Stammes- und Glaubensgenossen richtet, damit diese ihre Psticht erkennen, und damit gegen alle Unbitt und Ungerechtigkeit das stolze Bewußtsein sie feie, Erben zu sein einer unvergleichlichen Vergangenheit, einer reinen, hehren Lehre, die uns zum Guten, zur Wahrheit erziehen will, deren Ideen nicht die Vernunft in Fesseln schlagen, sondern den Geist erhellen, das Gemüth erwärmen, das Leben heiligen und verklären. Den ''Nachweisen und Darlegungen der Schrift im Einzelnen zu