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Im deutschen Reich · 1902-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1902) · p. 329

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1902)
Article
Ein Buch zur Abwehr [Rezension]
Date
1902-06-01
Page
329 (sequence 7)
Language
German
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Ein Buch zur Abwehr. 329 Geld, und die Lieder sind zum großen Theil auf Bestellung reicher Leute gedichtet." „Schon der vedischc Mensch hatte alle Schwächen und Laster des Hindus.- Das ist das Ergebniß der Untersuchungen competenter Gelehrten, deren Meinung nach es nach dem heutigen Stande der Indologie nicht mehr möglich sei, in die Lieder der vedischen Dichter Begriffe wie „andachtsvoll, begeistert, verzückt" hinein zu interpretieren. Auch das Zeugniß des Sanskritforschers Oldenberg ruft Schreiner an und meint: „Wer die einzigartige Bedeutung der religiösen Entwicklung in Jsrael-Juda erkennen will, der lese die Veden, den Avesta und vergleiche damit die Propheten und Psalmen". Ob Chamberlain wirklich solche Vergleiche im Ernst unternommen? Ebenso begründet ist Ch.'s Urtheil über den Unterschied zwischen semitischer und arischer Rechtsanjchauung. Ein Lehrsatz Spinoza's „Ein Jeder bat so viel Recht, als er Macht besitzt", der dem Einflusie der europäischen Rechtsphilosepben, eines Macchiavelli und eines Hebb es seine Formulierung verdankt, soll das jüdische Recht illustrieren, als ob nicht die Bibel, der Talmud, die späteren Eodificationen die Quellen für jüdische Rechtsanschauungen wären. Für Eh. freilich existircn diese Quellen nicht. Auch Spinoza's Zugehörigkeit zum jüdischen Stamme ignoriert Ch.. wo dies seine Theorie wankend machen könnte, während er nicht verschmäht, Spinozas rechtsphilosophische Ansicht gegen das Judenthum auszuspielen, obwohl er weiß, daß die Synagoge den großen Denker mit Bann belegte, weil sie seine Anschauungen als unjüdische verwarf. Natürlich hat CH. auch keine Ahnung und will auch nichts davon wiffen, was die Juden auf dem Gebiete der Wissenschaften geleistet haben, obwohl ihm das Werk Moritz Steinschneiders „Hebräische Übersetzungen des Mittelalters" leicht zugänglich gewesen wäre, oder wenigstens die kleine Schrift des christlichen Forschers M. I. Schleiden über „die Bedeutung der Juden für Erhaltung und Wiederbelebung der Wiffenschaften im Mittelalter" ihm Belehrung bieten konnte. Doch er will in genialer Unwiffenheit über alle Dinge verharren, die seine Voraussetzungen, Hypothesen und sein vorgefaßtes Urtheil über den Haufen werfen könnten. Nicht die geistigen Führer und Lehrer, sondern vielgenannte Finanzgrößen sind für ihn die Repräsentanten des Judenthums. Wir werden uns nicht wundern, daß Ch. gefunden, daß die gesammte Wcltlitteratur nichts „so trostlos Oedes, so kindisch Langweiliges, so gründlich von dem Wüftcnstaub absolutester Sterilität Zugeschüttetes" ausweise als den Talmud. Wir glauben gerne, daß das „Lernen" den Geist Ch.'s nicht geschärft und ihm nicht jene Selig-

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