Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- Ein Buch zur Abwehr [Rezension]
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 328 (sequence 6)
- Language
- German
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328 Im deutschen Reich. mehr Veranlassung, die Angaben und Werthurtheile Ch.'s aus ihre Richtigkeit und Wahrheit hin zu prüfen. CH. ist Raffenfanatiker. Er glaubt, daß „mit dem Blute Ideen vererbt" werden. Für ihn ist der Aufgang und Niedergang der Kultur und jede Richtung des Geisteslebens aus dem Ursprung, aus der Reinheit, Kraft und-dem Charakter der Rassen zu erklären. Voraussetzung ist für ihn, daß alles Große und Edle der arischen Rasse, den germanischen Völkern zu danken sei. Wo die Wirklichkeit dieser Voraussetzung zu widersprechen scheint, da werden einfach die Thalsachen auf den Kopf gestellt und die Wirklichkeit verzerrt. Wir wollen es dahingestellt sein lassen, ob wirklich die Rassen- Lheorie bei der Geschichte und Entwicklung des Rechts, der Kunst, der Religion und Wissenschaft anzuwendcn sei, und ob man nicht besser es dabei bewenden ließe, Bewußtseinsvorgänge aus Bewußtseinsvorgängen zu erklären. Thatsache ist, wie Schr. ausfühlt, daß die verschiedenen Richtungen des Geistes und des religiösen Glaubens, der Ueberlieferungsglaube, der Rationalismus und die Mystik sowohl unter den Semiten als auch unter Ariern ihre bedeutenden Vertreter gefunden. Es ist doch aber ein starkes Stück, wenn CH., der den Respekt vor der „Majestät der Thatsachen" fordert, die großen Männer der romanischen Völker unter der Hand zu Germanen wandelt, um seine Voraussetzung rechtfertigen Zu können, auch scheut er sich nicht, was antisemitische Geschichtsfälscher vor ihm versucht, — den Stifter des Christenthums zum „Arier" zu stempeln, nur um an den Semiten oder vielmehr an den Inden kein gutes Haar zu lassen. Darum will auch Eh. dem „heiligen Schriftthum" nur einen minimalen Werth zugestehen, und preist als große Thal der Jndologen, daß sic die „heiligen Bücher" der Veden im rechten Augenblick zugänglich gemacht, so daß man diese Erzeugnisse indogermanischen Geistes dem Alten Testament gegenüber stellen könne. Natürlich findet Ch., daß der Inhalt der Veden schöner und edler sei und meint „die Fabel von der besonderen Befähigung der Juden für die Religion sei nun endgültig vernichtet." Diesen kühnen und selbstgefälligen Behauptungen gegenüber führt Schr. die Urtheile der bereits erwähnten Forscher, Pischel und Geldner's an, die in ihren „Vedischen Studien" die Illusionen, denen man sich über den Werth und die Bedeutung der Veden hingegeben, zum großen Theil zerstört haben. „Man hat sich in eine überschwängliche Begeisterung für das Urwüchsige uud Kindliche desselben (des Rigveda) hineingeredet." . . „Der vcdische Dichter arbeitete für