Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- Ein Buch zur Abwehr [Rezension]
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 327 (sequence 5)
- Language
- German
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Ein Buch zur Abwehr. 327 seinem Buche „die Entstehung des Judenthums", als auch im 3. Bande seiner „Geschichte des Alterthums" in einem längeren Exkurse Zeugnis; davon ablegt, daß ihm das Wesen des Judenthums fremd geblieben. In seiner Abneigung und Verkennung unseres Glaubens geht er so weit, nicht nur von „widersinnigen Sitten und Gebräuchen", von „absurdem Regelwerk" zu sprechen, sondern, versteigt sich zu der Behauptung, „dem echten Judenthum liegt der Begriff der Menschenwürde, der freien Entfaltung des Individuums und damit eine wahre Sittlichkeit zunächst ganz fern" als ob das Wort „der Mensch ist im Ebenbilde Gottes geschaffen" nicht in der Bibel stände, und als ob Menschen-Hoheit und Würde nach der Auffassung des Psalmisten 48 überboten werden konnte. In einem dritten Abschnitt tritt Schreiner dem neuen, vielgefeierten Propheten der „social-anthropologischen" Geschichtsbetrachtung entgegen, und wird schier ingrimmig, da er mit den leichtfertigen Aeußerungen, mit den gefährlichen Einfällen und gehässigen Ausfällen des geistreichen „Dilettanten" Houston Stewart Chamberlain abrechnen muß. Ist den Vertretern der Religionswiffenschaft, den Theologen die „bona fidcs“ nicht abzusprechen, und ist es unverkennbar, daß es den andern Gegnern, gegen die sich Schreiner's Abwehr richtet, ernst mit ihrer Meinung ist, so kann man sich nicht des Gefühls erwehren, daß Ehamberlain über die „Majestät der Thatsachen" spielend hinweggeht, um mit seinen kühnenHvpothesen'zu blenden. Ohne auch nur eines der grundlegenden Werke der Wissenschaft des Judenthums zu Rathe zu ziehen und zu kennen, bat er an das „tollkühne Unternehmen" — nach Ch.'s eigenem Worte — sich gewagt, in seinem Buche „die Grundlagen des XIX. Jahrhunderts" einen unfangreichen Abschnitt für die Eharaktcristik des Judenthums zu widmen, wie er dies in seinen Gesichten „geschaut". Eh. hat dieses Wagnis; unternehmen können, weil die Kenntniß des Judenthums den Gebildeten fremd ist, und er wird gewiß viele gläubige Nachbeter finden, weil er es versteht, sich mit dem Nimbus des Genialen zu umgeben, und mit seinen manchmal allzu originellen — nämlich aus der Lust gegriffenen — Behauptungen zu imponieren, und weil seine Hvpothesen den Instinkten weiter Schichten schmeicheln. Sicherlich stiftet ein Buch wie das Chamberlains, welches nach Effekt hascht und von bestechendem Eindrücke ist, mehr Schaden und Verwirrung, als die einseitigen und ungerechten Urtheile ernster Forscher, der Männer der Wissenschaft, und darum haben wir umso-