Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- Ein Buch zur Abwehr [Rezension]
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 325 (sequence 3)
- Language
- German
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Ein Buch zur Abwehr. .325 Während ste von den „Preußischen Jahrbüchern" als die Verkündigung „der Religion überhaupt" begrüßt und verherrlicht worden, beklagt Eduard von Hartmann, daß Harnack's Rückkehr zur Lehre Jesu eine „judaisirende Reaction" sei, und bekanntlich sind von den officiellen Vertretern der Kirche auf einer Pastorenconferenz Harnack's Ausführungen einstimmig verworfen worden. — Unleugbar äußert sich in Harnack's Schrift eine freie und große Auffassung vom Wesen der Religion, und sie bietet uns eine außerordentlich Lebendige Darstellung von den verschiedenen Phasen ihrer Entwicklung innerhalb der christlichen Gemeinschaft, jedoch weist sie für uns Juden zugleich die betrübende Erscheinung auf, daß auch dieser Theologe mit so weitem Gesichtskreis von einseitiger Beurtheilung und daher Verkennung des Judenthums sich nicht frei gehalten hat. Die schiefen Bemerkungen Harnack's über das Judenthum sind schon von mehreren Seiten beleuchtet und richtig gestellt worden, doch Schreiner hat seine Aufgabe tiefer gefaßt und seine Abwehr umfassender gestaltet. Mit aller Gründlichkeit hat er nicht nur Harnack's Urtheile auf ihre Richtigkeit hin geprüft, sondern ist überhaupt den Vertretern der Religionswissenschaft und den Theologen entgegengetreten, und will auch mit jenen Philosophen, Historikern und Literaten Abrechnung halten, welche den „wissenschaftlichen Antisemitismus" pflegen, .deren einseitige und ungerechte Urtheile nicht nur von einer Unkenntniß der späteren jüdischen Geschichte zeugen, sondern den Stempel der Voreingenommenheit und Lieblosigkeit an sich tragen. Zuvörderst sind es die ernsten Vertreter der Religionswissenschaft, an die sich Schreiner wendet, von welchen er auch eine objettive Würdigung der von ihm dargelegten Thatsachen erhofft und erwarten zu können glaubt. Mit welcher Gründlichkeit Schreiner seines kritischen Amtes waltet, möge eine Zusammenstellung der Autorennamen und ihrer Werke bekunden, deren Aeußcrungen, soweit sie das Judenthum betreffen, er theils eingehender würdigt, theils mit einem Hinweis auf seine Ausführungen zu widerlegen sucht. Nachdem er das Schiefe einer „Charakteristik der Semiten" in Lassen's und Renan's Werken dargelegt, beleuchtet er die neueren Urtheile Harnacks in seiner bereits genannten Schrift: „Das Wesen des Christenthums", Wellhausen's in seinen Werken, „Israelitische und jüdische Geschichte" und „Reste arabischen Heidenthums", Lemme's (Das Wesen des Christenthums und die Zukunstsreligion), H.J.Holtzmann's(Lehrbuch derneutestamentlichenTheologie),Rudolf Eucken's (Der Wahrheitsgehalt der Religion), Pfleiderer's