Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- Ein Buch zur Abwehr [Rezension]
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 324 (sequence 2)
- Language
- German
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324 Hm deutschen Reich. die Anschauungen und Lehren des Judenthums so zurecht gestutzt, um sie als Folie benutzen zu können, an der sich die Lehre des Evangeliums um so wirksamer abhebt. Dabei leitet die christlichen Theologen das Bestreben, die tendenziöse Darstellung des Neuen Testaments, welche vor einer objcctiven historischen Kritik nicht Stand halten kann, als richtig und berechtigt nachzuweisen. 2. Eine andere Fehlerquelle, welche das Urtheil noch mehr zu trüben geeignet ist, wird von Schr. als „die paulinische Religionspsychologie" bezeichnet, „welche die Gesetzesreligionen und ihre subjektiven Wirkungen auf ihre Bekenner stets mit dem Maaßstabe des Heidenapostels mißt". Von dem Standpunkt des Apostels Paulus aus, der zuerst den Gegensatz zwischen den Forderungen des Judenthums und den Ansprüchen der neuen Verkündigung geschaffen, wird noch immer von der „Werkheiligkeit", vom „Joche des Gesetzes", von der Starrbeit und Unveränderlichkeit des religiösen Princips innerhalb des Judenthums gesprochen, ohne zu prüfen, ob es damit seine Nichtigkeit habe, da man sonst aushören müßte, die Religion Israels als inferior zu erklären und auf eine tiefere Stufe herabzudrücken. 3. Nun kommen in jüngster Zeit die Rassentheoretiker hinzu, die „Socialanthropologen", für die das Blut nicht bloß ein „edler Saft", sondern Alles in Allem ist, die dem Antisemitismus ein fadenscheiniges, wissenschaftliches Mäntelchen umhängen und dem rohen Instinkte der Massen schmeicheln. Selbstverständlich ist die arische Rasse die führende, welche alle Tugenden in sich vereint, welcher die semitische Nasse als untergeordnete gegenüber gestellt wird. Bei letzterer sei das „physische Substrat" unrein und verdorben, eine Anschauung, deren neuester Herold und Prophet Stewart Chamberlain geworden, mit dem Schr. ganz besonders scharf in's Gericht geht. Sicherlich hat Haruack's Buch „das Wesen des Cbristenthums", welches Schr. zuerst einer kritischen Prüfung unterzieht, den Verfasser unserer Abwehrschrift veranlaßt, „Harnisch und Panzer" anzulegen und mit dem Rüstzeug wissenschaftlicher Thatsachen aus seiner stillen Gelehrtentlause hinaus auf die öffentliche Arena des Kampfplatzes sich zu begeben, um für die Ehre und Vertheidigung seines Glaubens und seiner Glaubensgemeinschaft einzutreten aus dem Empfinden heraus, welchem er an einer Stelle Ausdruck giebt, „wir müssen uns selber unserer Haut wehren". — Denn nicht mit Unrecht hat die erwähnte feinsinnige und klare Darstellung des bedeutenden Theologen das allgemeine Interesse erweckt. Von christlicher Seite hat sie zwar die verschiedenste Beurtheilung erfahren.