Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1902)
- Article
- Alfred Kirchhoff [Rezension]
- Date
- 1902-05-01
- Page
- 310 (sequence 3)
- Language
- German
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310 Im deutschen Reich. nicht auf ursprünglicher Blutsverwandtschaft, sondern aus dem natürlichen Zusammenschluß jedes der beiden Länder, ihrem Abschluß nach außen durch ihre natürlichen Grenzen. „Innerhalb der Landräume schmiegt sich die bildsame Masse verschiedenster Volksart ein und verschmilzt zur nationalen Einheitsform. Die Masse kann wechseln, die Form bleibt". Diese „geographische" Theorie wird noch besonders dadurch erwiesen, daß geschlossene Landräume, wie z. B. Italien, mehr als einmal eine Nation Hervorbringen können. ,,Es ist nicht wahr, daß Nationen von gleicher Abkunft sein müssen." Diesen Fundamentalsah erhärtet Kirchhofs, indem er die mooernen Staaten Rußland, Amerika, Frankreich, Deutschland einer ausführlichen Betrachtung unterzieht, um zu dem Schlüsse zu kommen: Es giebt nur ein einziges Merkmal der Zugehörigkeit zu einer Nation das ist die Staatsbürgerschaft. Nicht die Nationalität, nicht Bluts- und Sprachverwandtschaft machen die Nationen, sondern der Raum. Kirchhoff ist sich bewußt, daß er mit dieser seiner Anschauung den Zorn der Antisemiten Hervorrufen wird. Aber das ficht ihn nicht an. Von persönlicher Zu- und Abneigung, von Philo- und Antisemitismus kann für ihn keine Rede sein, er weist die Richtigkeit seines Theorems auch für die Juden nach. Mit dem Falle des Bar Kochba haben die leidenschaftlichen Versuche, den Bestand der jüdischen Nation zu retten, ihr Ende gefunden. Die Juden haben seitdem keinen engen Zusammenhang mehr, nur die Sprache des Kultus und der Kultus selbst bilden ein religiöses Band. Die bürgerliche Bedrückung die Verachtung seitens der christlichen und mohammedanischen Völker, die gemeinsam getragene Noth und Bedrückung haben die Wirkung gehabt, dem Juden zum Bewußtsein zu bringen, daß er ein Jude ist. „Wir sind überzeugt, daß eine bürgerliche Gleichstellung von vornherein sie auch im politischen Leben der Nationen viel schneller assimiliert hätte, als es geschehen ist. Auch die Katholiken Deutschlands haben ihre besondere Kultussprache, das Lateinische, ihre besonderen Kultushandlungen, die nicht immer mit denjenigen der Mehrzahl der Nation übcreinstinunen; sind sie deshalb von den Protestanten national verschieden? Die Staatsbürger mosaischer Konfession gehören also gerade so gut zur deutschen Nation, wie die übrigen Bekenntnisse, eben weil sie Bürger des Reiches sind, für dessen Errichtung auch jüdisches Blut geflossen ist." Das sind Gedanken, die wir Juden zu unserer Vertheidigung unzählige Male ausgesprochen haben, deren. Ausdruck in christlichem