Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1902)
- Article
- Alfred Kirchhoff [Rezension]
- Date
- 1902-05-01
- Page
- 311 (sequence 4)
- Language
- German
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Bücherschau. 311 Munde uns mn so werthvoller ist, je seltener wir in der letzten Zeit sie von jener Seite vernehmen durften. Kirchhoffs Theorie ist uns, gegenüber den Angriffen der Antisemitcn, auch deshalb so wichtig, weil sie naturgemäß aus Bismarcks Anschauungen, seinen Reden und Thatcn hervorgewachsen ist. Nie hat Bismarck das Wort Nation in einem anderen Sinne als in dem oben bezeichneten gebraucht; er verstand darunter immer nur die Bewohnerschaft des von ihm gegründeten Reiches. „Man muß in allen Kämpfen, sobald die nationale Frage austaucht, doch immer einen Sammelpunkt haben, und das ist für uns das Reich, nicht wie es gewünscht werden könnte, sondern wie es besteht." Es ist freilich nicht zu verkennen, daß Kirchhoffs Deutung des Begriffes Nation etwas AeußerlicheS an sich hat. Eine treffliche Ergänzung findet sie in dem von ihm selbst angeführten Worte Renans: „Eine Nation ist eine große Gemeinschaft, die sich gründet auf das Bewußtsein, opferwillig für die Gcsammthcit vollbrachter Thaten und auf das Einverständniß, auch künftig in dieser aufopfernden Gemeinsamkeit weiter zu leben." Dieses Einverständniß, in der deutschen Gemeinschaft weiter zu leben, das ist es, was wir deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens unverbittert zu pflegen haben. Nicht bloß gegenüber den Angriffen unserer Gegner. Wenn in unserer eigenen Mitte sich Bestrebungen breit machen, die darauf Hinzielen, nach mühsam erworbener Assimilation die Einseitigkeit jüdischer Nationalität stärker zu betonen, oder wenn jugendliche, leicht entzündbare Gemüther gar von einer Wiederaufrichtung einer jüdischen Nation träumen, so werden wir solchen nicht ungefährlichen Bestrebungen entgegen zu treten haben, in welcher Form auch immer sie sich zeigen mögen. M. T. v. Joh. Georg Dreydorff. tzaou^listauäem? Ein ernstes Wort wider den Alttestamentlichen Geschichtsunterricht. Leipzig, H. Haessels Verlag. Eine ausführliche Besprechung einer von einem christlichen Theologen verfaßten Schrift, in welcher „das Alte Testament im Unterricht" bekämpft wird, halten wir nicht für angebracht. Was der Verfasser gegen die Charaktere im Alten Testament vorbringt, ist längst widerlegt. Bei den guten Eigenschaften vermag er das Glaubwürdige aus der biblischen Erzählung nicht herauszuschalen; er sucht nur das Tadelnswerthe heraus, hält dies für glaubwürdig und schildert es in geradezu salopper Weise. Auf 43 Druckseiten erhebt er Anklage gegen die Benutzung alttestamentlicher Erzählungen im christlichen Religionsunterricht und widerlegt auf 8 Seiten einige Einwände.