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Im deutschen Reich · 1902-05-01 · Heft 5 (Mai 1902) · p. 298

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 5 (Mai 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-05-01
Page
298 (sequence 3)
Language
German
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298 8m deutschen Reick. festzustellen, das; er kein Verwandter des verstorbenen Rektors Horwitz, aber einst sein Schüler gewesen sei. Ueber den heutigen Vortrag habe er sich aber nicht nur deshalb gefreut, sondern weil die Zeichnung eines solchen Vorbildes dazu dienen könne, die Treue zum Glauben und zum Baterlande zu kräftigen und die Herzen im Kampfe um das Recht zu stählen. Die Ueberzengung, daß der Central- Verein nicht nur bestehen bleiben, sondern darnach streben müsse, alle deutschen Juden zu umfassen, verbreite sich erfreulicher Weise mehr und mehr. Für die bezügliche Propaganda habe Herr Dr. Moses nützliche Winke gegeben, gegen den Mangel an Selbstachtung Herr Dr. Wohlberg mit Recht geeifert. Selbstachtung und Selbstvertrauen seien mehr als je nöthig, und gerade in dieser Beziehung habe der Eentral-Verein schon vieles Gute geleistet. Seine bedeutendsten Erfolge aber danke er dem Umstande, daß sich in ihm so viele Tausende von Glaubensgenossen der verschiedensten politischen gnd religiösen Richtungen einträchtig zusammenschaaren. Wenn die Vertretung so vieler Wähler ihre Stimme erhebe, könne ein solcher Massenruf nicht ungehört verhallen. Dies mache aber auch jedes einzelne Mitglied zu einem Mitkämpfer für die gute Sache. Denn der Zuwachs jeder einzelnen Stimme verstärke den Einfluß des Vereins, und diesen möglichst zu kräftigen, sei nicht nur Pflicht deutscher, jüdischer Männer, sondern auch der Frauen die ihre Gatten und Söhne veranlassen können, treue Vereinsmitglieder zu werden, auch als Erzieherinnen der Kinder es in der Hand haben, dafür zu sorgen, daß es in der künftigen Generation nicht an tüchtigen deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens fehlen werde. In dem Zusammenwirken Aller liege die Bürgschaft für den Erfolg der guten Sache. — Nachdem der diesen Worten gezollte lebhafte Beifall verklungen war, äußerte sich das Vorstandsmitglied Herr Dr. Wiesenthal über die Ausführungen des Herrn Dr. Moses gegen jüdische Sonder-Candidaturen und drückte sein Bedauern darüber aus, daß die zur Sprache gebrachten gehässigen antisemitischen Ergüsse eines an einem Provinzial. Gymnasium angesteüten Lehrers nicht seiner Zeit dem Central-Vereins - Vorstande mitgetheilt worden seien, da dieser sicher eine Remedur erzielt hätte, wenn eine zuverlässige Feststellung der betreffenden Aeußerungen ermöglicht worden wäre. Derartige judenfeindliche Aeußerungen seien weit schädlicher, als der Radau- Antisemitismus eines Grafen Pückler, von dem es übrigens verlaute, daß er sich den Behörden freiwillig stellen wolle. Die Juden hätten keinen Grund, die Fortsetzung seiner Dreschreden zu verhindern; offenbar hätten die Richter, die ihn freigesprochen, an das Bibelwort gedacht: „Du sollst dem Ochsen das Maul nicht verbinden, wenn er

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