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Im deutschen Reich · 1902-05-01 · Heft 5 (Mai 1902) · p. 299

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 5 (Mai 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-05-01
Page
299 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Veremsnachrichlen. 299 drischt." — Mit einem nochmaligen lebhaften Appell des Herrn Dr. Moses zur Förderung der Vereinssache wurde die Versammlung kurz vor Mitternacht geschloffen. Am 1. Mai hielt der Central-Verein in dem Saale der „Erholung" in Hamburg eine Versammlung ab, durck deren Veranstaltung das dortige Orts-Comite die Vereinssache in anerkennenswerther Weise wieder wesentlich gefördert hat. Der Besuch der Versammlung, der als Vertreter des Vorstandes die Herren Rechtsanwalt Dr. Eugen Fuchs und I)r. med. Wiescnthal aus Berlin beiwohnten, war ein so zahlreicher, daß der Saal sich als unzureichend erwies und Späterkommende keinen Platz mehr finden konnten. Der Vorsitzende Herr Dr. jur. Goldfeld gedachte zunächst in warmen Worten des Verlustes, den die Ortsgruppe durch das Ableben des Herrn vr. med. Piza erlitten. dessen Andenken der Centralverein stets in Ehren halten werde. Dann hielt Herr Prediger Dr. Rieger einen Vortrag über „Wissenschaftlichen Antisemitismus". Der Vortragende betonte, wie wir dem „Hamburger Fremdcnblatt" entnehmen, in seinen längeren Aussührungen, daß der wissenschaftliche Antisemitismus eine große Gefahr in sich berge, denn er richte sich vor allen Dingen gegen das Judenthum als Rasse und Religion. Was den Kampf gegen die jüdische Rasse anbetrifft, so knüpft derselbe an eine falsch ausgelegte Theorie Ernst von Rcnan's aus dem Jahre 1869 über die semitische Rasse an. Das jüdische Volk habe sich durchaus nicht in der Blutreinheit erhalten, wie vielfach angenommen würde, sondern zu verschiedenen Zeiten haben Blutvermischungen in größerem Maaße statrgesunden, so z. B. schon in Palästina, wo die Juden sich mit den kananitischen Urbewohnern vermengten und auch im babylonischen Exil, wo eine Vermischung mit Assvrerü und Babyloniern stattgefunden, und im 8. Jahrhundert n. Ehr. ist ein ganzer Volksstamm, die Chazaren, zum Judenthum übcrgetreten. Redner ging dann naher auf die Rassentheorie ein und wies nach, wie dieselbe jetzt schon von den bedeutendsten Gelehrten fallen gelassen worden. Was die Bekämpfung des Judenthums als Religion anbelangt, so beruhe diese hauptsächlich darauf, daß behauptet werde, das Judenthum bekämpfe die Person des Stifters der christlichen Religion. Redner widerlegte auch diese Anschauungen und schloß seine mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen mit einem warmen Appell an die Anwesenden, sich vor allen Dingen zur Selbsthülfe aufzuraffen. Herr Dr. Wiesenthal- Berlin ergänzte diese Ausführungen, wobei er nach den Vertretern des wissenschaftlichen Antisemitismus die Geschäfts- und Radau-Antisemiten vornahm, die der wissenschaftliche Antisemit Chamberlain nicht

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