Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-05-01
- Page
- 297 (sequence 2)
- Language
- German
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VereinsnachrichLen. 297 Pädagogen, dem die Schule wahrhaft an's Herz gewachsen war, entquollen auch prächtige Schullieder, die in Lewandowski einen vorzüglichen musikalischen Interpreten gefunden haben. Der Hinweis auf die innige Freundschaft, die Horwitz mit dem Buchdruckereibesitzer H. S. Hermann, und dem Volksschriftsteller Aron Rebenstein-Bernstein von Jugend auf verband, und auf sein patriotisches und freiheitliches Empfinden, welches ihm Jahre hindurch schwere Prüfungen auferlegte, vollendete das Bild des Mannes, das durch den fesselnden Vortrag als ein Vorbild für jeden echten deutschen Juden lebendig vor die Seele trat. — Lebhafter Beifall belohnte den Redner, dem der Vorsitzende herzliche Dankesworte widmete. Hierauf erhielt Herr Dr. Julius Moses das Wort zu einer hockst anregenden Erörterung verschiedener Propaganda-Fragen, wobei derselbe nachwies, daß sich in allen in der Provinz veranstalteten Central-Vereins-Versammlungen lebhafte Begeisterung für die Ziele und Bestrebungen des -Vereins kundgegeben habe. Ueberall sei man des Opportunismus überdrüssig geworden und habe sich davon überzeugt, daß der Vater des jetzigen Reichskanzlers, Graf von Bülow, den richtigsten Rath ertheilte, als er den Juden empfahl, nicht Duldung, sondern Recht zu verlangen. Auf Grund der von ihm in der Provinz gemachten Erfahrungen erklärte der Redner, daß die Juden von keiner politischen Partei einen wirksamen Schutz ihrer Rechte zu erhoffen hätten, sondern durch Zusammenschluß und zähes Fordern der Rechte sich diese selbst erkämpfen müßten. Bei kommunalen und vaterländischen Angelegenheiten aber sollten die deutschen Juden nur dann Mandate übernehmen, wenn man ihnen dieselben nicht als Juden, sondern als tüchtigen Mitgliedern der Stadtgemeinde und als hervorragend tüchtigen deutschen Staatsbürgern übertrage. Die deutschen Juden darauf hinzuführen, sich nur zur Abwehr zusammenzufinden, in allen anderen Angelegenheiten aber jede Sonderstellung, insbesondere jüdische Sonder - Candidaturen Zu vermeiden, bezeichnete der Redner, dem lebhafter Beifall zu Theil wurde, als eine Aufgabe des Central- Vereins. — Herr Dr. Wohlberg brachte mehrere in öffentlichen Restaurationen vorgekommene Taktlosigkeiten tadelnd zur Sprache, betonte die Notwendigkeit, gerade in der Jetztzeit strenge Selbstzucht zu üben, aber auch den Sinn für die Selbstverteidigung mehr und mehr zu beleben. Wer in und mit dem Central-Verein für die Rechte der deutschen Juden kämpfe, der leiste ein gutes Werk, welches jetzt und künftig Segen bringen würde. — Nachdem Herr Caspar Hartmann einzelne Ausführungen des Herrn Dr. Moses bemängelt hatte, ergriff Herr Rechtsanwalt Dr. Horwitz das Wort, um zunächst