Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-05-01
- Page
- 296 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316689-2316694--09596-2329681- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
296 Im deutschen Reich. Uereirrsnachrichten. hie Versammlung welche die im N. und NO. Berlins wohnenden Mitglieder desCentral-Vereins am 16. April im Saale der Brauerei „Pfefferberg", Schönhauser Allee 176 abhielten, nahm einen sehr anregenden Verlauf. Herr vr. Wohlberg begrüßte die zahlreich Erschienenen, insbesondere die anwesenden drei Vorstandsmitglieder, Herren Rechtsanwalt vr. Horwitz, vr. Wiesenthal und Oscar Berlin, und ertheilte dann das Wort Herrn städt. Lehrer A. Levy zu dem Vorträge: „Rektor Horwitz, ein deutscher Jude". Der Redner leitetete seinen Vortrag mit einer kurzen Geschichte der hiesigen jüdischen Gemeindeschule ein, die ihr Aufblühen den drei hochbegabten Männern Lazarus Bendavid, Leopold Zuntz und Aron Horwitz, ihre etzige Gestalt besonders dem letztgenannten verdanke, welcher der Anstalt sein eigenes Wesen so ausgeprägt habe, daß sie noch heute 20 Jahre nach dem Tode ihres Leiters, im Volksmunde „die Horwih'sche Schule" heiße. Was Horwitz als Bürger, als Schulmann und als Dichter geleistet, wurde mit Wärme von dem Vortragenden geschildert, der aus den poetischen Schöpfungen des Rektors Horwitz, von denen die hervorragendsten der Liturgie vieler jüdischer Gemeinden einverleibt worden sind, einzelne schöne Bruchstücke recitierte. (Chanuckalied: „Schirm und Schutz in Sturm und Graus", Predigtlied: „Du hast o Herr mit deinem Licht", Bcerdigungölied: „Was von Staub ist, geht zu Staube" u. a. m.) Daß Horwitz im besten Sinne ein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gewesen, zeige sich unverkennbar in seinen Dichtungen, von denen das Gedicht: „Der alte Bund" und mehrere Psalmen-Uebersetzungen seine Begeisterung für das Judentum künden, das Gedicht „Weichselmünde" u. a. m. heiße Liebe zur deutschen Heimath athmen, die seiner Lebensgefährtin gewidmeten poetischen Schöpfungen aber von großer lyrischer Begabung und echt deutscher Gefühlsinnigkeit zeugen. Dem treuen