Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-05-01
- Page
- 279 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 279 begründet und auf die im deutschen Osten angeblich bereits latent vorhandene starke judenfeindliche Stimmung verweist. Nach der betreffenden Statistik wurden 1898 antisemitische Stimmen abgegeben, in Berlin im 3. Wahlkreis 9809, im 5. Wahlkreis 9286; in der Provinz Brandenburg: West-Priegnitz 1535, Ruppin-Templin 1214, Prenzlau-Angermünde 2107, Teltow-Beeskow-Storkow-Charlottenburg *2080, Arnswalde - Friedeberg 61.36, Königsberg i. Neum. 979, Oft- und West-Sternberg *22-19, Züllichau-Schwiebus-Kroffen 406, Kottbus. Spremberg 348, Ueckermünde-Usedom-Wollin 5348, Stettin 790, Belgard - Schivelbein - Dramburg 2220, Neustettin 3187, Samter- Birnbaum-Obornik'Schwerin a. W. 695, Gr. Wartenberg-Oels 2995 Breslau-Stadt 1016, Breslau-Land 629, Landeshut-Iauer-Bolkenhain 506, Danzig 368, Deutsch-Krone 2562, Königsberg i. Pr. 421; 1899: Rieder-Barnim 2748, Potsdam-Ost-Havelland 2969, West-Havelland- Brandenburg 577, Landsberg - Soldin .3067, Pvritz - Saatzig 1991, Inowrazlaw-Mogilno-Strelno 1124, Frankenstein - Münsterberg 549, Kattowitz - Zabrze 746. Bei Nachwahlen wurden abgegeben 1893 in Goldberg.Liegnitz-Haynau 6500, 1894 in Schlochau-Flatow 9200 und!900 in Meseritz - Bomst 3700, zusammen: 71 907 Stimmen. Das sind noch keineswegs imponierende Ziffern, aber man wird immerhin gm thun, auf der Wacht zu sein; denn die rastlose Wühlerei im Osten des Reiches mahnt nur zu sehr daran, daß steter Tropfen den Stein bohlt. Die antisemitische Agitation in den Ostmarken kommt zunächst den Polen zu statten, die überall dort Boden fasten, wo früher Juden ansässig waren und sich als Pioniere des Deutschthums erwiesen. Durch den Kastengeist eines großen Theiles der christlichen deutschen Beamten isoliert, durch den Wettbewerb der von der katholischen Geistlichkeit moralisch und finanziell unterstützten polnischen Gewerbetreibenden im Erwerbsleben geschmälert, ziehen die deutschen Juden der Ostmarken mehr und mehr nach dem Westen, und dabei nimmt das polnische Element im Osten so überhand, daß der Antisemitismus sich deutlich als der schlimmste Schädiger des Deutschthumö erweist. Das katholische (Zentrum, welches in I>r. Lieber einen hochbegabten, vorurtheilssreien und gutdeutsch gesinnten Führer verloren hat, kann und mag offenbar diesen traurigen Werdeproceß nicht hindern, weil die Polen eifrige Katholiken sind. Mit Spannung erwartet man jetzt eine Entscheidung darüber, wer an die Stelle Lieüers treten und welche Richtung der künftige Führer des Eentrums einnehmen wird. Hoffentlich übt dabei einen günstigen Einfluß die Aeußerung des Papstes zu dem Leiter der bayerischen Pilger aus,; er möchte, daß das Centrum den Traditionen Windhorsts treu bleibe