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Im deutschen Reich · 1902-05-01 · Heft 5 (Mai 1902) · p. 277

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 5 (Mai 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-05-01
Page
277 (sequence 7)
Language
German
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Umschau. 277 jjrfje als von den Sozialdemokraten. Um die Kriminalkommissare zu diskreditieren, welche den an dem Tertianer Winter verübten Eifer suchtsmord durchaus nicht auf antisemitisches Kommando zu einem Ritualmord stempeln wollten, gereichte es der „Staatsbürger - Ztg." unverkennbar zum besonderen Vergnügen, die Figur, welche der Berliner Kriminalkommissarius von Bäckmann in dem Krosigk-Prozeß spielte, als „eine peinliche und unerfreuliche" zu bezeichnen. Herr Wilhelm Bruhn beutete diese Gelegenheit zu einem Vortrage in der Tonhalle aus, dessen Thema „Die Thätigkeit der Berliner Kriminal- Polizei in Gumbinnen und Könitz" keinen Zweifel an der Absicht zuließ, an dem Verhalten der Ronitzer Behörden auf's neue in bekannter Art Kritik zu üben. Zur Verdächtigung behördlicher Organe in ihren Parteiversammlungen haben die Politiker vom Scklage des Herrn Bruhn den nöthigen Muth, beileibe aber nicht den, an Genchtsstelle zu vertreten, was sie gesagt haben. Vergeblich bemühten sich die Rechtsanwälte Sonnenfeld und Halpert in zwei Terminen des von Adolf Lewy aus Könitz gegen Wilhelm Bruhn angestrengten Beleidigungsprozesses, letzteren zu bewegen, vor dem Schöffengericht 1 zu wiederholen, was er eigentlich in einem Vortrage über „Konih und Gumbinnen" gegen Adolf Lewy und dessen Schwester gesagt habe und was durch Zeugen sich nicht genau feststellen ließ. Das war eine schöne Probe jener Tapferkeit, welche ein Herr Schäfer kürzlich in der.Versammlung der Westgruppe des deutsch - nationalen Handlungsgehilfen- Verbandes als eine besondere Eigenschaft feiner antisemitischen Gesinnungsgenossen darstellte. Proben solcher Tapferkeit haben bekanntlich auch der Redakteur Böckler und Graf Pückler geliefert, die beide vorher oft in kühnen Reden sich überbeten, als sie aber diese Reden vor Gericht vertreten sollten, aus sicherem Versteck im Auslände Krank-, heitszeuznisse sandten und Vertagungen der Gerichtsverhandlungen erzielten. Dieses Falstaff-Gebahren: erst zu bramarbasieren und dann auf klägliche Weise Deckung zu suchen, macht selbst auf antisemitische Kreise einen mißlichen, abstoßenden Eindruck. Der Abg. Liebermann von Ronnenberg sucht zwar in den „Deutsch-Sozialen Blättern" den Grasen Pückler mit Krankheit zu entschuldigen, verhehlt aber dabei nicht, daß er seinen gräflichen Gesinnungsgenossen Lieber die Kaltwasserheilanstalt zu einer anderen Zeit hätte aufsuchen sehen, als Ln derjenigen, wo ihm die Verhaftung drohte. Noch schärfer geht der frühere Deckoffizier von Mosch in der „Deutschen Hochwacht" mit dem verabschiedeten Landwehr-Offizier Graf Pückler ms Gericht, trotzdem er mit cynischer Offenheit zugesteht, daß er für die Juden-

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