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Im deutschen Reich · 1902-05-01 · Heft 5 (Mai 1902) · p. 276

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 5 (Mai 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-05-01
Page
276 (sequence 6)
Language
German
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27 6 Im deutschen Reich. brauchte Flagge der Nationalität decken. Das werden nicht nur die rumänischen Machthaber, sondern auch die russischen Staatsmänner erfahren, welche es bisher für ihr Vorrecht hielten, zwischen nichtrussischen Juden und Christen, welche die russische Grenze passierten, ohne Rücksicht auf den geltenden Pah, einen Unterschied zu machen. Im amerikanischen Repräsentantenhaus hat der Abgeordnete Goldvogl an die Regierung der Vereinigten Staaten die Anfrage gerichtet, ob es dem Staatssekretär bekannt sei, daß amerikanischen Bürgern jüdischen Glaubens trotz ihrer gültigen amerikanischen Pässe der Einzug in das russische Reich verwehrt fei. Der Interpellant ersuchte den Staatssekretär, solche ihm bekannt gewordenen Fälle dem Nepräsentantenhauje mitzutheilen und gleichzeitig bekannt zu geben, welche Schritte die amerikanische Regierung in dieser Sache bereits gethan habe, oder zu thun beabsichtige. Wenn die nordamerikanische Union in dieser Angelegenheit die Initiative ergreift, werden alle europäischen Kulturstauten dies willkommen heißen, um einem Zustande ein Ende zu machen, der fast allgemein als ein Hohn für die Civilisation und ein unnatürliches Hemmnih für den internationalen Verkehr empfunden wird. Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg; wenn die europäischen Kulturstaaten gemeinsam mit der nordamerikanischen Union etwas bekämpfen, was nicht die Unter thanen des Zaren, sondern gleichberechtigte Bürger anderer Staaten trän ft und schädigt, kann keine innere Verwaltungsmaßregel des russischen Reiches dabei in Betracht kommen. Ein Staat, der sich den Forderungen der Civilisation und des Rechts verschließt, gehört nicht mehr in das europäische Konzert, und gerade das in diesem Konzert die erste Stimme führende deutsche Reich sollte zuerst dafür sorgen, die nöthige Harmonie zu sichern oder wiederherzustellen, unbekümmert um wüste Schreier, die für die östliche Barbarei sich begeistern und diese auch nach Deutschland verpflanzen möchten. Zu lange schon hat man das kulturfeindliche Treiben der antisemitischen katilmarischen Existenzen auch im Deutschen Reiche in der irrthümlichen Annahme geduldet, damit die sozialdemokratische Gefahr bannen zu können. Das ist der alte Jrrthum derer, welche den Teufe! durch Beelzebub austreiben zu können meinen. Die antisemitischen Anarchisten versetzen Lhatsächlich die bürgerlichen Kreise in eine regierungsfeindlichere Stimmung, als die Sozialdemokraten es bei den Arbeitern vermöchten, nachdem diese durch die Sozialreformen bereits einen großen Theil ihrer Forderungen erreicht haben. Seit der traurigen Konitzer Affaire erdulden z. B. alle Polizeiorgane, welche sich nicht dem Terrorismus der Antisemiten fügen, von diesen weit rücksichtslosere An-

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