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Im deutschen Reich · 1902-05-01 · Heft 5 (Mai 1902) · p. 272

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 5 (Mai 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-05-01
Page
272 (sequence 2)
Language
German
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272 Fm deutschen Reich. welcher „der Boden noch nicht im Sinne des nachfridericianischen In den rechts mobilisiert war." Die Organe Liebermanns von Sonnenberg (die „Antisemitische Korrespondenz" und die „Deutsch.socialen Blätter") verhöhnen das von Cecil Rhodes ans Verehrung für den deutschen Kaiser ausgesetzte Stipendium für 15 deutsche Studenten, die auf der Universität Oxford die englische Sprache studieren wollen, indem sie diese Legate ausschließlich zur Benutzung von „Judenjungen" bestimmt bezeichnen, trotzdem ausdrücklich dem Kaiser die Auswahl der Stipendiaten überlassen ist. Noch schärfer äußern sich die sächsischen Antisemitenblätter über die an einige jüdische Vertreter von Handel und Industrie ergangenen Einladungen zur Nordseefahrt des Kaisers. Die „Leipziger Neuesten Nachrichten", (dem antisemitischen Vertreter dieses Blattes in Berlin wurde s. Z. in dem Dresdener „Li- und Lo-Prozcß" die jüdische Abstammung nachgewiesen) schreiben: „In den Zeiten Kaiser Wilhelms I. würde weder Herr Arnhold, noch Herr Ballin, weder Herr Isidor Lowe noch Herr Bleichröder in den engeren Zirkel des Monarchen ausgenommen worden sein, und schwerlich hätte Herr Ball in jemals als Ministerkandidat gegolten. Vielleicht wäre auch die Frage nach den Gründen der deutschen Begeisterung für die Buren nicht gerade an einen freisinnigen Bankier gerichtet worden. Manche Zeichen deuten darauf, daß der Kaiser selbst sein lebhaftes Interesse jener Richtung des wirthschaftspolitischen und auch geistigen Lebens schenkt, die man füglich als den Großkapitalismus bezeichnen kann. Es sind nicht die Häupter der konservativen adeligen Geschlechter, auch nicht die Repräsentanten des eigentlich werkthätigen deutschen Bürgertbums, die seine Gäste wurden, nicht Männer, die man als Hüter eines Funkens von nationalem Idealismus bezeichnen könnte, sondern die Herren Bleichröder, Ballin und Isidor Löwe. Und bierin liegt eine gewisse Gefahr. Die Vertreter der altpreußischen Tradition wurden, als sie dem Kanalprojekt ihre Zustimmung versagten, als Rebellen behandelt, und alle Zeichen deuten darauf, daß auch jetzt wieder, wenn nicht in der letzten Stunde der Pfad der Verständigung betreten wird, aus den Verhandlungen über den Zolltarif ein Bodensatz übrig bleiben dürfte, der für die Zukunft nichts Erfreuliches verheißt. Die konservativen Elemente, speziell des preußischen Staates, suhlen sich mehr und mehr in die Nothwehr gedrängt, immer lebhafter wird ihnen die Sorge, daß in dem schweren Kampfe, den sie für die Traditionen der Vergangenheit und für ihre eigene Existenz kämpfen, die Sympathie des Mannes schwindet, der sich selbst als Preußens ersten Edelmann bezeichnet hat." Die von dem ehemaligen

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