Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-05-01
- Page
- 271 (sequence 1)
- Language
- German
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Umschau. 271 Umschau. $2ß-n e*ncr im Saale der „Hopfenblüthe" in Berlin abgehaltcnen Hauptversammlung des „Deutschen Antisemitenbundes" schloß der bekannte Reichs- und Landtagsabgeordnete Ludwig Werner seinen Vortrag mit den Worten: „Wenn wir auf dem begonnenen Wege ohne Wanken wciterstrcben, wird auch noch der Tag kommen, an dem man sagen wird, daß die deutsch-sozialen Reformer und Antisemiten doch brave, ehrliche und überzcugungstreue Menschen sind, welche für Erhaltung von Kaiserthum und Vaterland streben." Der Redner, dessen Gesinnungstüchtigkeit in dem Prozeß Erdmannsdörffer an Gerichtsstelle beleuchtet worden ist, gab mit der Schlußphrase seines Vortrages unverkennbar zu, daß zunächst noch die Verdienste seiner Parteigenossen um die Erhaltung von Kaiser und Vaterland angezweifelt werden. In Wort und Schrift haben die Antisemiten unablässig den Massen die Meinung beizubringen gehegt, daß seit dem Hinscheiden des Kaisers. Wilhelm I. und der Entlassung des Fürsten Bismarck ein fehlerhafter neuer Kurs eingeschlagen worden sei, daß unsere auswärtige Politik durch die „Engländerei" geschwächt und verwirrt werde, unsere innere Politik durch Begünstigung des Kapitalismus und des Industrialismus zum wirtschaftlichen Ruin führe, daß eine „jüdisch-römisch" angehauchte Rechtspflege nicht dem germanischen Rechtsgesühl und dem natürlichen Rechte entspreche, das „mit dem Menschen geboren wird". Wie solche herabsetzenden Aeußerungen zur „Erhaltung von Kaiser und Vaterland" führen können, ist schwer zu verstehen. Jede Gelegenheit wird von der antisemitischen Presse dazu benutzt, die bürgerlichen Kreise mit der Verwaltung und der Rechtspflege unzufrieden zu machen. Den Bürgern, welche den berechtigten Wunsch hegen, den ehemaligen botanischen Garten in Berlin als Park erhalten zu sehen, predigt das hiesige antisemitische Hauptorgan vor, daß die Aufopferung jener „Schöpfung hohenzoüernscher Fürsorge" in einer Zeit undenkbar gewesen wäre, in