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Im deutschen Reich · 1902-05-01 · Heft 5 (Mai 1902) · p. 273

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 5 (Mai 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-05-01
Page
273 (sequence 3)
Language
German
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Umschau. 273 Abgeordneten Oswald Zimmermann herausgegebene Dresdner „Deutsche Wacht" sagt dasselbe noch etwas deutlicher und verschärft ihre Drohungen noch dadurch, oaß sie den sozialistischen Aufruhr in Belgien mit der kaiserlichen NordfeefahrL in eine Art von Verbindung zu bringen und dabei die Juden als Revolutionäre par exeellencs hinzustellen sucht. Das Dresdner Antisemitenblatt schreibt: „Traurige Zeichen der Zeit! Bremerhaven und Brüssel. Daffelbe orientalische Gesicht in der nächsten Nähe des erlauchten Kaisers des Deutschen Reiches — dasselbe Gesicht auf den Barrikaden des blutgetränkten Brüssel. — das Gesicht einer Rasse, die so auserwählt war, daß sie einen Christus ans Kreuz schlug. Ach, die Zeiten sind anders geworden. Ein Bremerhaven wäre unter dem alten Kaiser Wilhelm unmöglich gewesen. Das Hofparkett sieht in Wien und Berlin erst seit Jahrzehnten die Plattfüße mosaischer Konfession! Noch war, seitdem eine unselige Humanitätsduselei (wenn es nicht etwas „Glänzenderes" war) den Juden das Bürgerrecht auslieferte, nicht eine einzige Revolution, an der nicht das dankbare Volk Israels bervorragenden Antheil hatte. Ein kalter Schauer läuft über den Rücken jedes nationalgesonnenen Mannes, wenn er sich vorstellt, daß jetzt Ln der Nahe des Thrones gemauschelt wird, an dessen Errichtung das Volk Israel dcizutragen alles unterlassen hat. Es berührt fast wunderbar, zu hören, daß in Karlsruhe bei der Jubiläumsfeier kein inoffizieller Jude zugegen war. Kann man denn überhaupt ein Fest würdig feiern ohne Goldberger. Bleichrcder, Rothschild oder Ballin? — Trübe und leider jo berechtigte Frage! New-^jork und Bremen — neue Zionsthaten. neue Zionslcrbeeren!"-Hat denn das Dresdner Antisemitenblatt vergessen, daß der edle fürstliche Jubilar in Baden dem Dichter Berthold Auerbach gegenüber die judenfeindliche Bewegung ebenso scharf verurtheilte wie sein unvergeßlicher Schwager, Kaiser Friedrich? Weiß denn die „Deutsche Wacht" nicht, daß der Großherzog von Baden den Juden Elstätter Jahre hindurch zum Finanzmiuister hatte, daß es der badischen Regierung zu verdanken ist, wenn die badischen Hochschulen die Geistesfteiheit beständig gegen die antisemitischen Dunkelmänner vertheidigen dürfen, daß Heidelberg und Freiburg i. B. fast die einzigen Universitäten sind, an denen Juden noch in den letzten Jahrzehnten ordentliche Professoren werden konnten? Es macht einen fast komischen Eindruck, daß dieselben antisemitischen Organe, welche sich zuweilen als die loyalsten Monarchisten aufspielen und sich ihrer Verdienste um „die Erhaltung von Kaiserthum und Vaterland" rühmen, sich nicht entbleden, den Monarchen Vorschriften zu machen, ihre. Einladungen und Auszeichnungen bitter tadeln, wenn

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