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Im deutschen Reich · 1902-04-01 · Heft 4 (April 1902) · p. 239

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 4 (April 1902)
Article
Berlin
Date
1902-04-01
Page
239 (sequence 3)
Language
German
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Korrespondenzen. 239 Den von der Autisemitenpresse über die Kriminalität der Juden augcstcllten Betrachtungen steht die offenkundige Thatsache entgegen, daß von den im Jahre 1000/01 eingeliesertcn Zuchthausgefangenen 3315 oder 60,26 Procent (im Vorjahre 3193 oder 59.88 Procent) Evangelische, 2126 oder 38.65 Procent (im Vorjahre 2074 oder 28,96 Procent) Katholiken, 60 oder 1,09 Procent (im Vorjahre 53 oder 1 Procent) Juden und 2 (4) Andersgläubige waren. Die „Polkszeitung" schreibt: „Der frühere Ahlwardt-, jetzige Pückler-Moniteur glaubt die von uns erzählte Episode aus dem Leben eines (jüdischen) Lokomotivführers, in welche die Gestalt des verstorbenen Kaisers Wilhelm hincinspielte, als erfunden bezeichnen zu sollen. Eine „zuständige Stelle" soll das Blatt darüber aufgeklärt haben. Sollte Graf Pückler diese zuständige Stelle sein? Aus der Motivierung, die ganz dem antisemitischen Geschmack angepaßt ist, kann man ee schließen. Der Lokomotivführer Bernstein, der dem Könige Wilhelm durch seine Gewiffenhaftigkeit und Charakterfestigkeit das Leben rettete, war, was dem Pückler-Moniteur natürlich unbekannt ist, allerdings gelernter Schloffer und Maschinenbauer. Mit der Thatsache, daß der Kaiser Wilhelm diesem einfachen, schlichten, aber tüchtigen Manne zu dauernder Dankbarkeit verpflichtet war, werden sich die Herren Pücklerianer schon abfinden müssen. Tie Geschichte hat sich genau so zu ge tragen, wie wir sie geschildert haben." — (Unseres Wissens ist auch ein anderer Jude, Abraham Conradi, den der Dresdner Mendelssohnvercin zum Schlosser und Maschinenbauer hatte ausbilden lassen, langjährig als Lokomotivführer der Berlin—Anhalter Bahn thätig gewesen. Die Redaktion.) Dem jüngst zur Versendung gelangten Rechenschaftsbericht der Israelitischen Erziehungsanstalt zu Ahlem für das Jahr 1901 ist zu entnehmen, daß in dem Laufe dieses Jahres 16 Zöglinge ihre Lehrzeit beendeten und bis jetzt in Ahlem 68 Zöglinge ausgebildet wurden. Don diesen sind 49 (und zwar 26 in Deutschland, 5 in Oesterreich, 12 in Nordamerika, 2 in Rußland, je 1 in Frankreich und in der Schweiz) als Gärtner. 1 als Tischler (in Nordamerika) in Stellung. Von den übrigen 16 erfüllen 9 ihre Militärpflicht und werden nach ihrer Entlassung wieder zu ihrem alten Beruf zurücklehren; 7 haben einstweilen ihren Beruf gewechselt, 2 keine Nachricht gegeben. Gegenwärtig beherbergt die Anstalt 39 Schüler und 38 Lehr, linge. Die Verwaltung macht wiederholt darauf aufmerksam, daß sich nur solche jungen Leute als Gärtner-Lehrlinge in der Anstalt eignen, die körperlich durchaus gesund, dabei geistig normal entwickelt sind und beim Eintritt sich innerhalb der Altersgrenze von 14—16 Jahren be-

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