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Im deutschen Reich · 1902-04-01 · Heft 4 (April 1902) · p. 228

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 4 (April 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-04-01
Page
228 (sequence 4)
Language
German
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228 Im deutschen Reich. das Svnagogengrnndstück gelockt, wissentlich falsch gethan habe, ich bedaure dies und leiste hierdurch Herrn Kantor Simson Abbitte. Als Sühne habe ich 20 Mark in die Armenkasse zu Strehlen gezahlt." Die Abbitte trägt die Namensunterschrift des antisemitischen Ansckuldigers, der eigentlich eine weit schärfere Strafe verdient hätte. Die Antisemitenpresse hat diese Abbitte ebenso wie die behördliche Aufklärung des famosen Strehlener Nitualmordversrrchs vollständig tedtgeschwiegen. Genau so verfuhr sie, als kürzlich ein dreizehnjähriger Knabe in Hannoversch-Münden vermißt wurde; sie schrieb, er sei nach der Hinterstraße, „die in der Nähe der Synagoge liegt," zu dem Arbeiter Paul gesandt worden, dort aber nicht eingetroffen. Durch diesen Hinweis sollte doch offenbar die Meinung hervorgerusen werden, daß die Nähe der Synagoge dem Knaben verbängnißvoll geworden sei. Davon, daß nach den Mittheilungen des „Mündeuer Lokalblattes" die Leiche jenes offenbar im Fluß verunglückten Knaben ebne irgendwelche Verletzung bald daraus in der Weser gefunden wurde, haben die Leser antisemitischer Blätter bis heute noch nichts erfahren. Za diesen Lesern gehören anscheinend auch manche Lu st¬ und Raubmörder, die nach Art der „Kriminalstudenten" aus der Lektüre von Organen für Ritualmordmärchen-Verbreitung die Ueber- Zeugung gewonnen haben, daß sie nur ihren Opfern den Hals abzuschneiten brauchen, um den Verdacht von sich abzulenken. Am 20. März ist die Leiche der Berliner Näherin Paula Trenkel, die nach Dortmund gereist war, um in der dortigen Umgegend einen Dienst als Haushälterin auzunchmcn, im Walde bei Schwildinghausen in Westfalen mit durchschnittenem Halse aufgefunden worden. - Es besteht der dringende Verdacht, daß sie von einem Unbekannten, der sich fälschlicherweise als Bewerber um eine Haushälterin ausgegeben hat. in den Wald gelockt und dann getödtet und beraubt worden ist. Der Raubmord ist vermuthlich am Sonntag, 16. d. M., ausgeführt worden. Am 9. März hat die Trenkel bei einem Uhrmacher in Herne einen Ring verkauft und dabei geäußert, daß sie sich zur Zeit be einer Gesindevermietherin in der Stadt aufhalte. Der Erste Staatsanwalt in Dortmund fordert jetzt alle diejenigen auf, sich zu melden, welche die Trenkel, gegen deren sittliche Führung übrigens auch nicht der mindeste Tadel vorliegt, Ln der Nähe von Dortmund oder in den Ortschaften der Aemter Lünen und Mengede gesehen haben und mit ihr in nähere Berührung gekommen sind. Auch die Leiche einer Botenfrau Moser aus Roschwitz bei Glatz, die offenbar das Opfer eines Raubmordes wurde, ist dieser Tage mitdurchschnittenemHalsebeiKoritau gefunden worden. Von dem Mordbuben fehlt gegenwärtig noch jedeSpur. Wenn in

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