Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 4 (April 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-04-01
- Page
- 227 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 227 suchungshaft wegen Sachbeschädigung (tz 305 St.-G.-Bs.) verhängt. Verhaftung, Ablieferung in das hiesige Gefängniß und Mittheilung. Beschr. Größe: 1,70 m, Statur: untersetzt, kräftig, Haare: blond, Augen: blau, Bart: blond (ausrasirtes Kinn), Gesichtsfarbe: gesund, Sprache: deutsch, französisch." — Die „Staatsbürger Ztg.", von der in vielen Fällen das Wort Goethes gilt: „sie spottet ihrer selbst und weiß nicht wie", druckt unter der Ueberschrift „Spaß muß sein!" einen in dem Hamburger „Israelitischen Familienblatt" veröffentlichten Brief ab, in dem der jüdische Besucher einer Pückler-Versammlung sich folgenden Scherz leistet: „Jedenfalls denunziere ich hiermit einerlöblichen antisemitischen Parteileitung ohne Honoraranjpruch, aber mit voller Wahrung meines -Prioritätsrechtes, den Grafen Pückler als jüdischer Abstammung dringend verdächtig. Wer solche Nase im Gesicht trägt und solche Kotcletten, wer mit solchem Bauche sich behaftet zeigt und gar solchen Pelz trägt und, wie ich ganz genau weiß, auf der Eisenbahn stets erster Klasse fährt, der stammt von Juden ab." Die letztere, die antisemitische Art der Beweisführung verhöhnende Bemerkung bezeichnet das Antisemitcnblatt in seiner rührenden Harmlosigkeit als „köstlich". Nach einem dem „Berl. Lckalanzciger" zugegangenen Privattclegramm ist Gras Pückler vor einigen Tagen im Hotel „Zu deu drei Königen" in Basel abgcstiegen und dann nach dem Kurort Langenbruck in Basel-Land abgereist war, wo er Aufenthalt nehmen wollte. Als steckbrieflich Verfolgter hat sich Graf Pückler veranlaßt gesehen, aus der Armee ansznschciden. Dem bisherigen Oberleutnant der Landwehr-Cavallerie 2. Aufgebots ist, wie in der neuesten Nummer des Militär-Wechenblattes mitgetheilt wird, durch Kabinette- Ordre vom 1. April 1902 der Abschied bewilligt worden. Ein antisemitisches Blatt, die Magdeburger „Sachscnschau", plaidiert bereits für mildernde Umstände; es sagt: „Alles, was man bisher, besonders in letzter Zeit von dem Grafen gehört hat, deutet darauf hin, daß sich mit ihm nicht der Richter, wohl aber der Arzt zu befassen hat." Die Art. wie alljährlich um die Ofterzeit Nitualmordmarchen verbreitet werden, trotzdem sich fast immer ergiebt, daß deren Entstehung auf Bosheit oder Dummheit zurückzuführen ist, erinnert an einen andern Wahnsinn, in dem auch Methode liegt. Der s. Z. gemeldete angebliche Versuch, ein Kind in die Synagoge zu Strehlen i. Schles. zu locken, der behördlicherseits sofort öffentlich als unbegründet bezeichnet wurde, hat durch nachstehende in der „Strehlener Ztg." veröffentlichte Abbitte einen harmlosen Abschluß gefunden: „Hierdurch erkläre ich, daß ich die Anschuldigung, Herr Kantor Simson habe den fünfjährigen Sohn meines Bruders mit Zuckerzeug beschenkt und in