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Im deutschen Reich · 1902-04-01 · Heft 4 (April 1902) · p. 213

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 4 (April 1902)
Article
Rechtsschutzbericht
Date
1902-04-01
Page
213 (sequence 14)
Language
German
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Jahresbericht. 213 walten taffe, dann muffe man die Juden anftellen; die anderen, weil sie sagten: Wenn man nur prineipiell Gleichberechtigung anerkenne, brauche man die Juden gewiß nicht anzustellen. Tief betrübend waren die Verhandlungen, die vor einiger Zeit sich in Bayern abgespielt haben. In Bayern hat das Centrum das Verdienst, diese Frage in Anregung gebracht zu haben. Cs wurde dort als eine erschreckende Erscheinung bezeichnet, daß etwas über 50 jüdische Richter in Bayern eristieren, während nach dem Prozentsatz der Bevölkerung nur höchstens l Prozent jüdische Rickter sein dürften. Gerade diese Verhandlungen in Bauern zeigen — wir müssen es leider gestehen —- die preußische Infektion auf dem Gebiete des Antisemitismus in ganz klarer Weise. Ter Jnstizministcr Schoenstcdt wird hier als derjenige gefeiert, der den deutschen Justizministern vorbildlich gezeigt habe, wie man dem Umsickgreifen des Judenthums in der Justiz beikommen könne. Der Abg. Heim, der Interpellant im bäurischen Parlament, sagte wörtlich dem bayrischen Justizminister Herrn von Leonred: ..Mich hat der Herr Justizminister vr. Schoenstcdt, Ihr College in Preußen, veranlaßt, diesen Antrag zu stellen." — Auch im übrigen würde im bäurischen Parlamente mit den ältesten Requisiten des preußischen Antisemitismus gearbeitet. Das traurige Crgebniß der Interpellation Heim ist Ihnen bekannt. Es ist schließlich der Besckluß gefaßt worden, die Litte an die Regierung zu richten, möglichst nur im Verhältnis; der israelitischen Bevölkerung zur Gesummt-- bevölkeruug in der Justizverwaltung Juden aufzunehmen. Es wird Ihnen auch weiter bekannt sein, daß demnäckst die Kammer der Reichsräthe sich mit der Sache befaßt hat. Sie hat einen etwas modisieierten Beschluß gefaßt, aber im wesentlichen deck dieselbe Er^ wägung Zum Ausdruck gebracht. Allerdings ist festzustellen, daß im bayrischen Reicksrathe die Mitglieder des Königlich Bäurischen Hauses gegen diesen Antrag gestimmt haben. Es ist vielfach der Versuch gemacht worden, dieses lediglich als Ausdruck des Gedankens festzustellen, daß jede Debatte über die Anstellung von Ricktern einen Eingriff in die Reckte der Krone darstelle. Ich muß indeß dock Bedenken tragen, diese Interpretation des Verhaltens der Königlichen Punzen als berechtigt Zu bezeichnen. Ich hatte vorhin die Befriedigung, von unserem 'hochverehrten Nürnberger Mit-' gliede Herrn Lebrecht, der heute unter uns weilt, zu hören, daß erst in allerneuester Zeit in Bayern wiederum drei jüdische Richter angestellt worden sind, und daß sogar zum ersten Mal in neuester Zeit ein Jude ins Finanzministerium berufen worden ist. Man wird aus diesen neuesten Vorgängen schließen dürfen, daß die

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