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Im deutschen Reich · 1902-04-01 · Heft 4 (April 1902) · p. 209

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 4 (April 1902)
Article
Rechtsschutzbericht
Date
1902-04-01
Page
209 (sequence 10)
Language
German
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Jahresbericht. 209 Dies sind einige der Gründe, welche es erklärlich machen, daß wir zu einer thatjächlich sehr erheblichen Zahl von Ablehnungen gegenüber den Anregungen in unserer Rechtsschutzthatigkeit gelangen. Wir lassen auch das schwere Geschütz eines osfiziellen Vorgehens des Vereins nur selten auffahren. Wir scheuen zwar nicht, eine Anzeige zu erstatten. Man nennt uns in antisemitischen Zeitungen mit Vorliebe den DenunzianteN'Verein. Wir nehmen diesen Namen sehr gern als Ehrentitel an, denn wir erfüllen eine Pflicht, wenn wir Anzeigen erstatten, um die Achtung vor dem Gesetze zu erhalten und das gebeugte Recht wieder herzustellen. Aber, m. H., wir stehen aus dem Standpunkte, daß in erster Linie jeder selbst zur eigenen Abwehr erzogen werden muß. daß er bereit sein muß, selbst die Verantwortung für sein Thun vor der Oeffentlichkeit zu tragen. Wir haben zahlreiche Fälle erlebt — wer unsere Zeitschrift liest, wird sie in großer Zahl kennen — wo gerade das sofortige Vorgehen unserer Mitglieder, sofern es in sachlicher Weise geschieht, die schönsten Erfolge gezeitigt hat. Gerade unserer Nechtsschutzthätigkeit ist es — das möchte ich auch noch erwähnen — sehr vielfach verübelt worden, daß wir uns mit unseren Maßnahmen nicht nur gegen den äußeren Feind richten, sondern daß wir auch ganz offen da, wo wir Mchstände unter den Juden sehen, auf diese Mißstände Hinweisen. Daran werden wir festhalten muffen. Gerade wir Juden müssen in uns das Bewußtsein kräftigen, daß jede That, die irgend einer Mißdeutung nur fähig ist, dem ganzen Jndenthum zur Last fällt. Wir können deshalb nicht Selbstzucht genug üben. Seit einiger Zeit haben wir in der Rechtsschutzkommission die Einrichtung, daß wir jede beleidigende Mittheilung, die wir in einer antisemitischen Zeitung über einen Juden finden, sofort an den Betherligten mit dem Ersuchen um Erklärung schicken Wird der Herr zu Unrecht geschmäht, dann findet er bei uns Unterstützung, und ist uns dankbar, daß wir ihn auf den Angriff aufmerksam gemacht haben. Fühlt er sich getroffen — und solche Fälle werden uns ja leider nicht erspart — daun mag er wenigstens die Schande erleben, daß wir, die wir eine große Zahl Juden vertreten, uns an ihn wenden und von ihm das Geständnis; seines Unrechts verlangen. Gerade nach dieser Richtung hin übt unsere Thätigkeit, wie ich hoffe, eine große erziehliche Wirkung aus. Wie vorsichtig gerade der Jude sein muß, das ergiebt die Lektüre der antisemitischen Zeitungen aus jeder Seite. Es wird thatjächlich alles an die Ocffentlichkeit gezogen. Damit muffen wir nun aber einmal rechnen. Mir ist kürzlich ein Auszug aus einem jüdischen Hochzeitskarmen in einer antisemitischen Zeitung begegnet. Das

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