Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 4 (April 1902)
- Article
- Rechtsschutzbericht
- Date
- 1902-04-01
- Page
- 207 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Jahresbericht. 207 was man als Erfolg bezeichnet, ist weiter nichts, als was vom Standpunkte höherer Kultur eigentlich selbstverständlich sein sollte. Wir stimmen keine Klagelieder an, denn wir sind daran gewöhnt, daß der Ruf des Juden nicht so schnell gehört wird. Aber, meine Herren, wir sehen ja, Gott sei Dank, gehört wird er doch, wenigstens allmählich, und wir muffen uns über Mißerfolge mit dem Bewußtsein trösten, daß, wenn wir nur Alle uns zu einem gemeinsamen Ruf vereinen, dieser Nus auf die Dauer nicht ungehört bleiben kann. Wohin der Weg uns führt, meine Herren, das wissen wir Alle nicht, und was wir für unser Vaterland erreichen können, wenn wir vereint und zielbewußt Vorgehen, das können wir Ihnen nicht in Form eines Programms mittheilen, weil wir es selbst nicht wissen. Aber daß bei einem vereinten, im Sinne hoher Kulturarbeit geläuterten Zusammenwirken unser Vergehen auf die Dauer nicht ohne Erfolg bleiben wird, nicht bloß im Dienste der Juden, sondern im Dienste der Menschheit überhaupt, das ist für mich — ich bin nun einmal ein so krasser Optimist — zweifellos. Allmählich haben sich — ich Litte mir nach dieser Richtung noch einige Bemerkungen zu gestatten — in der Behandlung der Rechtsjchutzarbeiten gewisse -Prinzipien entwickelt. Es ist natürlich schwer, allen Wünschen zu genügen, dem Einen thun wir viel zu viel, und dem Andern thun wir viel zu wenig. Die Einen werfen uns vor, daß wir uns Mißerfolgen aussetzen. Wir scheuen allerdings Miß. erfolge nicht. Wo es Roth thut, gehen wir immer und immer wieder von neuem vor und trösten uns mit dem Worte: „Steter Tropfen höhlt den Stein." Wir haben auch die Freude, daß in zahlreichen Fällen dieses dauernde Vorgehen einen Erfolg hatte. Grade die Umwandlung der Anschauungen in Bezug auf die Beurtheilung der Religionslästerung ist der Erfolg eines solchen stetigen Vorgehens. Auch andere Fragen, z. B. die Schächtsrage, beschäftigen uns dauernd. Andere werfen uns vor, daß wir nicht auf jede Anregung sofort mit einer Denunziation erwidern. Ja, m. H., wir können uns nicht ohne weiteres dazu hergeben, jeder Anregung Folge zu geben. Dann würden wir uns unnütz zerreiben und würden schließlich den Eindruck unserer Vorstellungen vollkommen vernichten. Wir gehen da dauernd vor, wo cs auch nur einigen Erfolg verspricht. Wo wir aber mit einem Erfolg absolut nicht rechnen können, da suchen wir die Gewissen aufzurütteln, da suchen wir den Boden zu beackern, auf dem einmal Früchte gedeihen sollen. Sie dürfen auch nicht vergessen, daß die heldenmüthigen Antisemiten sich der Judikatur sehr fein anpassen. In >ehr vielen Fällen, die an uns gelangen, und zwar mit einem moralisch