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Im deutschen Reich · 1902-03-01 · Heft 3 (März 1902) · p. 179

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 3 (März 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-03-01
Page
179 (sequence 2)
Language
German
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Dereinsnachrichten. 179 Richter irgendwie anzweifeln zu wollen, lasse sich doch nicht verkennen, daß die Eindrücke des Tages selbst aus treffliche Juristen nicht ohne Einfluß bleiben. Immerhin seien erfreuliche Fortschritte in der Rechtsprechung den Juden gegenüber nicht ganz zu vermiffen. Bezüglich der Collectiv-Beleidigung sei zwar ein solcher Fortschritt bisher noch nicht zu bemerken gewesen, aber auch auf diesem Gebiete könne derselbe auf die Dauer nicht ausbleiben. Bestrafungen wegen Beschimpfungen der jüdischen Religion seien wiederholt zu verzeichnen gewesen, und allem Anscheine nach werde nicht nur der K 166, sondern auch der § 130 der Strafprozeßordnung künftig den Antisemiten fühlbar werden und beweisen, daß auch die Juden als deutsche Staatsbürger des gesetzlichen Schutzes Lheilhaftig seien. Wenn der preußische Kriegsminister und leider auch ein liberales Blatt kürzlich von Polen, Deutschen und Juden gesprochen hätten, könne man dies nur als einen beklagenswerthen Lapsus ansehcn; denn die Juden seien gute Deutsche und ließen sich ihr Deutschthum nicht absprechen. Die Rechtsschutz-Kommission habe durchschnittlich jährlich über 100 Aktenstücke zu bearbeiten, das Bureau des Vereins im letzten Jahre fast 0000 Eingänge zu verzeichnen gehabt. Der Vortragende versicherte, daß der Verein stets auf dem Posten sei, sich durch einzelne Mißerfolge niemals entmuthigen lasse und durch seine Zähigkeit schließlich doch in den meisten Fällen Erfolge erziele. Die Antisemiten seien aber mit der Zeit immer vorsichtiger geworden, paßten sich der Rechtsprechung geschickt an und wüßten oft durch Hinterthüren der Bestrafung zu entgehen. Die antisemitische Presse werde aber von dein Verein aufs Sorgfältigste überwacht und jeder ungerechte Angriffe gegen einen Juden gäbe Anlaß zur Abwehr, jeder berechtigte Angriff aber Anlaß zu einer ernsten Ermahnung an den Betreffenden. Der einzelne Glaubensgenosse solle diese Ueberwachung ruhig dem Vereine überlasten und nicht durch den Ankauf antisemitischer Blätter die Gegner unterstützen. Der Redner erwähnte sodann die bekannten Vorgänge im preußischen Abgeordnetenhause, die Rückwirkung der Aeußerungen des preußischen Justiz Ministers auf Bauern, die aber erfreulicher Weise keine nachhaltige zu sein scheine, da dort neuerdings wieder drei Juden als Richter und einer im Finanzministerium angestellt wurden. Der Redner warnte vor dem verkappten Antisemitismus des Berliner Thierschutzvereins und vor dem Engagement von Mitgliedern des unter antisemitischer Leitung stehenden „Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes". Eine Anregung von antisemitischer Seite sei aber der Unterstützung werth, diejenige eines Verbots der Namensänderungen der zum Christenthum übertretenden Juden, die ihre Uniform weiter behalten sollten. Der

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