Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 3 (März 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-03-01
- Page
- 178 (sequence 1)
- Language
- German
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178 Im deutschen Reich. Uereinsnachrichten. Die am 24. Februar in Cohn's Festsälen abgehaltene Mitglieder-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wurde an Stelle deS durch Krankheit behinderten Vorsitzenden, Herrn Rechtsanwalt Or. Horwitz, von Herrn Rechtsanwalt vr. Loevinson geleitet, welcher nach Eröffnung der Versammlung den Geschäftsbericht erstattete. In demselben wurde mitgetheilt, daß die Mitgliederzahl in Berlin auf 3000 und auswärts auf 8000 angewachsen sei, und daß durch den Anschluß zahlreicher Synagogen-Gcmeinden und großer jüdischer Organisationen der Central- Verein jetzt als eine Vertretung von mehr als 100 000 deutschen Juden die Vertheidiguug der staatsbürgerlichen Rechte derselben führt. Trotz erheblicher Ausgaben sei der Reservefonds des Central-Vereins am Schluffe des Jahres völlig intakt geblieben und an flüssigen Mitteln ein Bestand von 3756 Mark vorhanden gewesen. Das Vercinsorgan „Im Deutschen Reich" erscheine in einer Auslage von 11 200 Exemplaren; außerdem habe der Verein durch einzelne andere Publikationen zu wirken gesucht, von welchen die Agitationsschrift „An das Gewissen des deutschen Volkes" und das Flugblatt „Leitsätze für deutsche Inden" sich als besonders wirksam erwiesen hätten. Der Vorsitzende widmete mehreren im Laufe des verfloffenen Jahres dahingeschiedencn besonders verdienten Vereinsmitgliedern ehrende Nachrufe; er berichtete hierauf über die von dem Vorstände,. den Kommissionen desselben und dem Bureau erledigten umfänglichen Arbeiten und wies am Schluffe feiner Ausführungen darauf hin, daß die Thätigkeit des Central-Vereins bereits auch im Anslande zu ähnlichen Bestrebungen angeregt habe. Der Vorsitzende schloß unter lebhaftem Beifall die Versammlung mit einem warmen Mahnrufe, die Bestrebungen des Vereins zu unterstützen und zu fördern. — lieber die Thätigkeit der Rechtsschutz-Kommission in den letzten 3 Jahren erstattete hierauf Herr Rechtsanwalt Dr. M. Brodnitz in fast zweistündiger Rede einen eingehenden Bericht, wobei er in der Einleitung an das Wort des Rechtslehrers Jhering anknüpfte, daß jedes Recht erkämpft werden müsse. Der Kampf des Central-Vereins sei aber nicht nur ein Kampf um das Recht der Juden, sondern für das allgemeine Recht. Zu dieser Vorstellung hätten sich leider nur wenige bedeutende Rechtslehrer aufgeschwungen. Ohne das hochzuschätzende Rcchtsbewußtsein preußischer