Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 3 (März 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-03-01
- Page
- 180 (sequence 3)
- Language
- German
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180 Im deutschen Reich. Vortragende schloß mit der Ermahnung, sich die Liebe zum deutschen Vaterlande durch die antisemitischen Quertreibereien nicht rauben zu lassen und selbst in trüben Zeiten keiner Verbitterung Raum zu gewähren. — Lebhafter Beifall belohnte den fesselnden Vortrag. — Der Vorsitzende wies aus die Riesenarbeit hin, welche die Bewältigung des vorliegenden überaus umfangreichen Materials erforderte und veranlaßte die Versammlung, ihren Dank für die interessanten Darlegungen durch Erheben von den Sitzen zum Ausdruck zu bringen. Hierauf erfolgte durch Zuruf die Wiederwahl der aus dem Vorstande ausscheidenden Herren: Stadtrath Kalisch, vr. Jos. Lewy, Rechtsanwalt vr. Lövinson, Generalkonsul Landau, vr. Wiesenthal, Geheimrath Prof. vr. Senator, Geheimrath Prof. vr. Pinner, Geheimrath vr. Blumenthal und Maurermenter Weile. Nachdem Herr Alexander Lomnitz den Bericht der Revisoren erstattet hatte, ertheilte die Versammlung dem Schatzmeister Herrn vr. I. Ginsberg Decharge. Die Versammlung wurde mit Dankesworten des Vorsitzenden um 11 Uhr geschloffen. Wenn die Thätigkeit unserer Rechtsschutz - Kommission, über die im Aprilheft ausführlich berichtet werden wird, durch fleißige Hinweise auf den Schutz, den der § 11 des Reichspreßgesetzes jedem Ehrenmanne gegen böswillige Verleumdungen durch die Presse gewährt, dazu beigetragen haben sollte, die antisemitischen Blätter zu einer gewissenhafteren Berichterstattung zu veranlassen, wäre dies schon kein geringer Erfolg. Die zahlreichen Berichtigungen, zu welchen die „Staatsbürger Ztg." in letzter Zeit durch Hinweise aus den erwähnten Paragraphen sich gezwungen sah (siehe Korrespondenzen in diesem Heft!), veranlaßten die Redaktion des Antisemitenblattes am 5. März zur Veröffentlichung nachstehender Briefkasten-Notiz: „An unsere Herren Berichterstatter, die es an geht. — Es ist in letzter Zeit bisweilen (!!!) vorgekommen, daß wir aus Grund leichtfertiger Berichterstattung gezwungen waren, Berichtigungen zu bringen. Wir müssen dringend bitten, bei Abfassung von Berichten strenggewissenhaft zu Werke zu gehen und sich dabei nicht von einem blinden Zudenhasse bestimmen zu lassen. Es ist eine gute deutsche Lugend, streng bei der Wahrheit zu bleiben. Diese darf auch unseren Gegnern gegenüber nicht außer Acht gelassen werden." Wenn die „Staatsbürger Ztg." sich künftig dieser Tugend ernstlich befleißigt, wird ihr der Stoff bald ausgehen! Am 27. Marz findet im Saale des „Geselligen Vereins der Gesellschaft der Freunde" Berlin W.f Potsdamerftr. 9, eine Centralvereins-Versammlung statt, für welche Herr Rabbiner v«-. S. Weiße einen Vortrag über „Jüdische Staatsmänner" zngesagt hat. A. L.