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Im deutschen Reich · 1902-03-01 · Heft 3 (März 1902) · p. 170

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 3 (März 1902)
Article
Berlin
Date
1902-03-01
Page
170 (sequence 9)
Language
German
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170 Im deutschen Reich. Der Redakteur der „Deutschen Zeitung", I)r. Fr. Lange, reist seit Monaten in Deutschland umher und hält vertrauliche Besprechungen ab, um die Gründung einer großen „Sammelpartei" vorzubereiten. Es handelt sich nach der Meinung der „Staatsbürger - Zeitung" um eine erneute Auflage des verkrachten „Deutschkartells" vom Jahre 1898, um eine Verwässerung des Antisemitismus. Wäre das letztere der Fall, dann müßte vr. Lange, der die Redaktion der „Tagt. Rundschau" verließ, weil sie nicht mehr die Judenfeindlichkeit scharf genug betonte, seitdem viel Wasser in seinen Wein gegossen haben. Die „Deutsche Hochwacht" des Herrn Hans von Mosch macht „in Betreff des Schächtenö" folgenden Vorschlag zur Güte: „Die Juden, wenigstens in ihrer Mehrzahl, behaupten, daß das Schächten die schmerzloseste, also die menschlichste Art der Tödtung des Schlachtviehes sei. Wohl, wenn dem so ist, so kann ihnen selbst damit geholfen werden. Wir schlagen vor, daß, solange als die Todesstrafe noch beibehalten wird, die übrigen Verbrecher zwar geköpft, oder mit dem Fallbeile hingerichtet, wenn sie englischen Geschmack haben, auch gebangt werden, daß dagegen dem verbrecherischen Juden-Menschen die „humane" Hinrichtung durch Schächtung zu Theil werde." — Der ehemalige Dcckoffizier, der mehr Sympathie für die Ochsen als für seine jüdischen Mitmenschen zu haben scheint, wird mit seinem überaus freundlichen Vorschlag nicht besonderen Schaden anrichtcn. Seit Menschengedenkcn ist kein Jude in Deutschland zum Tode verurtheilt worden, und Herrn von Mosch zu Liebe wird kaum einer ein todeswürdiges Verbrechen begehen. Da er für die Schußmaoke zu schwärmen scheint, könnte er vielleicht inzwischen — nein, so böse sind wir nicht! Leuten, die den Antisemitismus diskreditieren, wünschen wir ja auch von Herzen ein langes Leben! Unter der Ueberschrift „Eine Tuberkulosen - Heilstätte" veröffentlichte kürzlich die „Allg. Ztg. des Judenthums" einen von vr. Carl Kassel in Posen verfaßten Artikel, in welchem die Gründung einer solchen israelitischen Heilstätte angeregt wurde. Der Verfasser betont insbesondere, daß die unter der trefflichen Leitung Dr. Rothschilds stehende Sodener Stiftung nur während des Sommers kostenlos zur Verfügung stehe und von Norddeutschland aüzuschwer zu er-reichen sei. Eine rituelle Anstalt sei nicht nur für die strenggläubigen Juden ein Bedürfnis, sondern auch für solche, welche sich nicht entschließen können, die Kost der bestehenden Anstalt zu genießen; außerdem werde manchen jüdischen Patienten durch die antisemitische Strömung der Aufenthalt in einzelnen bestehenden Anstalten verleidet.

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