Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 3 (März 1902)
- Article
- Berlin
- Date
- 1902-03-01
- Page
- 171 (sequence 10)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 171 Im „Verein jüdischer Studierender" zu Berlin hielt am 18. Februar Herr Rechtsanwalt Dr. M. Loevinson einen Dortrag über „Angriffe und Abwehr des Antisemitismus", der lebhaftes Interesse erregte. — Am 26. Februar veranstaltete derselbe Verein in Charlottenburg im Hatel „Prinz Albrecht" einen „jüdischen Kunst, abend", der reich an interessanten Darbietungen war. Ein im Wohlthun unermüdliches und um viele gemeinnützige Angelegenheiten hochverdientes treues Centralvereins-Mitglled, Rentier Eugen Rosenstiel, ist im 59. Lebensjahre in Meran am 9. März sanft entschlafen. Was er mit rastlosem Eifer und seltener Opfcrfreudigkeit geleistet hat, um die Lage vieler Glaubensgenossen zu verbessern, wird dazu beitragen, ihm ein ehrenvolles Andenken in weiten Kreisen zu sichern. + Friedeberg in der Reumark, 2. März. Hier waren mehrere junge Burschen angeklagt, durch abscheuliche antisemitische Schimpfworte den jüdischen Lehrer beleidigt zu haben. Es wurde aber nur einer dieser Scbuld überführt, und auch dieser tarn mit einer Geldstrafe von 12 Mark davon. Im Unvermögensfalle soll er Gelegenheit erhalten, ungestört vier Tage darüber nachzudenken, daß gewisse Pücklerscherze doch gefährlich werden können. Glogau, 13. März. Gegen den Grafen Pücklcr von Klein-Tschirne hatte die hiesige Staatsanwaltschaft dem „Riedersckles. Anzeiger" zufolge, Anklage erhoben, und zwar wegen Vergehens gegen tz 305 des Strafgesetzbuches. Der Rittergutsbesitzer Metscher in Skcvden hatte auf einem vorn Grafen Pückler gepachteten Stück vand eine Feldbahn angelegt, die ihm der Graf Pücklcr zerstören liest. An der Zerstörung der Lahn sollen nach der Anklage die vier Gursarbeiter betheiligt gewesen sein, während der Inspektor die Ausführung im Aufträge des Grasen Pückler angeordnet haben soll. Der Inspektor und die Gutsarbeiter waren zum Termin erschienen, nicht aber Graf Pückler. Der Staatsanwalt beantragte, den Grafen Pückler zum nächsten Termin am 20. März verhaften und zwangsweise vorführen zu lasten. Diesem 'Anträge gab der Gerichtshof nach kurzer Berathung statt. -9- Wreschen, 2. März. Der Kriegsminister v. Goßter sprach sich im Reichstage bei Gelegenheit der Verlegung einer Garnison in unsere Stadt dahin aus, daß ,.sowohl die Deutschen wie die Juden" hiesiger Stadt damit einverstanden seien. Die gelegentliche Aeußerung hat hier um so unliebsamer berührt, als die hiesigen Juden sich stets