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Im deutschen Reich · 1902-03-01 · Heft 3 (März 1902) · p. 166

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 3 (März 1902)
Article
Berlin
Date
1902-03-01
Page
166 (sequence 5)
Language
German
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166 Im deutschen Reich. semitischen Terroristen nicht fürchtenden königlichen Beamten: „Die Druckschrift ist ein jüdisches Pamphlet gegen zahlreiche (?) christliche Staatsbürger; das muß von dem Herrn Landrath, wenn er die Schrift gelesen hat, nicht unbemerkt geblieben fein. Eine Begünstigung der Verbreitung dieses Schreibwerks durch einen Beamten der Regierung erscheint uns unzulässig und mit den Amtspflichten eines Landraths nicht vereinbar. Wir hoffen, daß der Herr Regierungspräsident von Oppeln derselben Meinung sein und den übereifrigen Landrath alsbald in entsprechender Weise rektisizieren wird." — Herr Bruhn ist offenbar der irrigen Meinung, daß cs zu den Amtspflichten eines preußischen Landraths gehört, die „Staatsbürger-Zeitung" und die Pückler- Flugblätter kolportieren zu lassen, in denen fast jede Zeile den § 130 des Strafgesetzbuches verletzt, wenn auch die mündlich angedrohte „Schrotladung für den Bauch des Polizeikerls" weislich nicht mit abgedruckt ist. Im Reichstage äußerte sich der Abg. Liebermann von Sonnenberg in einer Weise, als ob er ganz dieselben Anschauungen von den Pflichten eines Landraths hege. Er sagt wörtlich: „Die Sache wird am schlimmsten, wenn Amtspersonen sich gemüßigt fühlen, das Schriftstück des Herrn Münz im Kreisblatt zu empfehlen, wie es der Landrath von Gleiwitz gethan hat. Die Nerven und die Urtheilssähigkeit dieses Landrathes würde ich als angegriffen anschen, und wäre ich sein Vorgesetzter, ihm einen Urlaub erteilen bis dahin, wo der Nachweis geführt wird, daß er von seinem Leiden befreit ist." — Bedauernswerth ist, daß weder vom Regierungstische noch aus der Mitte der Abgeordneten sich eine Stimme erhob, um den Rufer in Streite zu belehren, daß bis jetzt glücklicher Weise preußische Beamte noch keine Weisungen oder Verweise von den antisemitischen Ritualmord-Erfindern zu empfangen haben. Ueber eine am 7. März in Berlin polizeilich aufgelöste Pückler- Dcrsammlung wird berichtet: Ungemein stürmisch verlief eine vom Deutschen Antisemitenbund zu Freitag, den 7. März nach Kellers Fcstfälen, Koppenstraße, einberufene öffentliche Versammlung, die von fast 3000 Personen besucht war. Schon der erste Theil des Abends, der ein Referat des Reichstagsabgeordnetcn Werner über die Zolltarifvorlage brachte, verlief so erregt, daß die Polizei mit der Auflösung drohte. Ms dann Graf Pückler über das Thema: „Bürger Berlins, seid auf Eurer Hut" zu reden begann, steigerte sich die Erregung noch wesentlich. Er sagte: „Ich freue mich, vor einer so großen Versammlung zu reden, bitte Sie aber auch, sich hübsch ruhig '^d anständig zu benehmen. (Großes Gelächter.) Die Stunde ist

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