Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 3 (März 1902)
- Article
- Berlin
- Date
- 1902-03-01
- Page
- 163 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 163 beruhen könnte. Dagegen tritt der Unterschied zu Gunsten der Juden im Uebrigen um so mehr hervor. Wie man angesichts dieses Sachverhalts von dem hohen Prozentsatz der verurteilten Juden sprechen kann, bleibt das Geheimnis des Blattes, dessen Frömmigkeit ihm die haltlosesten Verdächtigungen gestattet, wenn sie nur Wasser für die antisemitischen Mühlen abgeben. Aus Richterkreisen wird dem „Berl. Tgbl." geschrieben: „Der Eid der Juden" ist seit einiger Zeit wieder ein Lieblingsthema der Antisemiten, insbesondere ihres Führers Liebermann v. Sonnenberg (vergleiche die Reichstagssitzung vom 13. März). Es dürfte deshalb von Interesse sein, was der vor einigen Jahren verstorbene Landgerichtspräsident Leopold von Kunowski, der Bruder des Präsidenten des Oberlandesgerichts zu Breslau, ein Hochkonservativer und Anhänger Steckers, schreibt, der 50 Jahre in verschiedenen richterlichen Stellungen in Oberschlesien, Sachsen, Ostpreußen, Westfalen und Westpreußen gewirkt hat, also die Bevölkerung vieler Provinzen als Richter, insbesondere ihr Verhalten zum Eide genau wie kaum Jemand kennen gelernt hat. Seite 9.8 seines bekannten Buches „Wird die Sozialdemokratie siegen?" (erschienen in 6. Auflage bei Velhagen u. Klasing im Jahre 1891) heißt es: „ . . . Auch muß bei offenem Auge zugegeben werden, daß ein großer Theil dieser Bevölkerung (nämlich der jüdischen) neben einem meistentheils frommen Festhalten an ihrer Religion und manchen achtbaren Tugenden, zu denen wir namentlich eine musterhafte Hochachtung der Kinder vor ihren Eltern und eine tiefe Scheu vor dem Meineide zählen. ..." In der That lehrt die Kriminalstatistik, daß an dem Verbrechen des Meineides die Juden nur mit einem vcrhältnißmäßig geringen Prozentsatz bcthciligt sind. Eine interessante Erinnerung an einen edlen christlichen Vorkämpfer der Emanzipation, den ehemaligen Reichssinanzminister Hermann von Beckerath, ist aus Anlaß des hundertsten Geburtstages desselben aus den Protokollen der Kreselder Svnagegen-Gemeinde kürzlich in der „Allg. Ztg. d. Judenthums" veröffentlicht werden. Als Beckerath 1847 aus dem „Vereinigten Landtage", in dem er für die Menschen- und Bürgerrechte der Juden mit Begeisterung eingetreten war, nach Krefeld zurückkehrte, wurde ihm von der Vertretung der dortigen jüdischen Gemeinde eine Adresse in kunstvoll gearbeiteter Silberkapsel überreicht. Ueber die feierliche Uebergabe berichtet nun das Gemeindeprotokoü, daß, nachdem der Ober-Rabbiner