Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 3 (März 1902)
- Article
- Berlin
- Date
- 1902-03-01
- Page
- 162 (sequence 1)
- Language
- German
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162 3m deutschen Reich. Korrespondenzen. Berlin, 18. März. In einer sogenannten kriunnalstatistischen „Beobachtung", die die „Kreuz-Zeitung" auf Grund der neuesten reichsstatistischen Veröffentlichung für 1899 vor einigen Tagen anstellte, heißt es wörtlich: „die Religion der 1899 Verurtheilten weist 272 047 evangelische, 195 245 katholische Christen auf, denen der hohe Prozentsatz von 4428 Juden gegenübersteht." Ganz abgesehen davon, daß die absolute Zahl eben kein Prozentsatz ist, wird für die Behauptung, daß der Antheil der Juden relativ hoch sei, auch nicht die Spur eines Beweises erbracht. Schon dieser Mangel macht die Behauptung verdächtig. Wie aber liegen die Verhältniffe in Wirklichkeit? Soweit für die Konfessions-Gliederung im ganzen Reich Angaben des Kaiserlichen Statistischen Amts vorliegen — und dies ist leider nur für die Volkszählung von 1890 der Fall — sind von je 100 Personen: evangelisch 62,771, katholisch 35,759, jüdisch 1,149; der Rest von 0,321 entfällt auf sonstige Christen und Personen anderer und unbekannter Religion. Berechnet man hiernach die Kenfessions-Vertheilung für das Volks« zählungsergebniß des Jahres 1900, welches an das in Rede stehende Jahr der Kriminalstatistik unmittelbar anschließt, und reduziert man weiter auf die Ergebnisse dieser Rechnung die Zahlen der verurtheilten Evangelischen, Katholiken und Juden, so erhält man folgende Ziffern: Der Antheil der Verurtheilten betragt bei den Evangelischen 0,77, bei den Katholiken 0,97, bei den Juden 0,68, bei der Gesammtbevölkerung 0,85 Prozent. Der Antheil der Juden ist demnach erheblich geringer, als im großen Durchschnitt der Bevölkerung, noch kleiner gegenüber den Katholiken und erreicht auch nicht einmal vollständig den Antheil der Evangelischen. Auf den geringen Unterschied gegenüber dem letzteren braucht keinerlei Gewicht gelegt zu werden, da er leicht auf Abweichungen der Rubrizierung der „sonstigen" Christen bei der Bearbeitung der Volkszählung und der Kriminalität