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Im deutschen Reich · 1902-03-01 · Heft 3 (März 1902) · p. 159

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 3 (März 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-03-01
Page
159 (sequence 9)
Language
German
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Umschau. 159 schlichte, zu keiner Mißdeutung Anlaß gebende klare Bekenntnis;, welches in unseren zehn Leitsätzen enthalten ist. Ob solche Kampfesweise christlich ist, darüber steht uns kein Urtheil zu; das aber wissen und behaupten wir, daß sie wie die ganze Bewegung weder deutsch noch überhaupt menschlich, sondern zu den schlimmsten Auswüchsen des deutschen Volkslebens zu rechnen ist! In einem Vorträge „Unser Kampf ums Recht" hat der Geschäftsführer der Deutsch-sozialen Neformpartei, vr. Giese, am 24. Februar sich über die häßliche antisemitische Kampfesweise mit einer so naiven Offenherzigkeit ausgelassen, daß jedem Unbefangenen einleuchten müßte, daß die Antisemiten nicht für das Recht, sondern für das schnöde Unrecht wider eine konfessionelle Minderheit kämpfen. Wenn er dann als Ziel seiner Partei bezeichnet, daß es in Deutschland wieder heiße „Deutsch ist Trumpf'.", so braucht man nur auf Oesterreich zu blicken, wo der Antisemitismus sein Ziel erreicht und keineswegs es dahin gebracht hat, daß „Oesterreichisch Trumpf ist", sondern daß zwei antisemitische Fraktionen ohne Rücksicht auf die Wohlfahrt und den Frieden der Gesammtheit mit den Losungen „Pfäffisch ist Trumpf" und „Schwarzrethgold ist Trumpf" sich beständig raufen und zerzausen. Im Reichsrathe kam es im Monat Februar wiederholt zu erregten Szenen; am 8. Februar brachte der antisemitische Wiener Bürgermeister Lueger eine Anfrage wegen eines geheimen Wahlaufrufes an, in dem Geldmittel für die bevorstehenden Gemeinde- und Landragswahlen verlangt worden sein sollten. Dabei beschuldigte er eine Anzahl christlicher und jüdischer Großindustriellen erheblicher Schwindeleien, des Wuchers und der Bestechung der Wähler. Dies veranlaßte die Abgg. Groß und vr. Vogler, in der Reichsraths-Sitzung vom 14. v. Mts. zu heftigen Angriffen gegen Lueger und zu einer energischen Vertheidigung eines Mitgliedes des Herrenhauses, Ludwig Lohmcver, den Lueger beschuldigt hatte, das Ehrenbürgerrecht von Wien erschwindelt zu haben. Dabei hagelte es förmlich von Schrmpfreden auf den christlich-sozialen Oberbürgermeister nieder, den u. A. der Abg. Pernersdorfer unter stünnischer Heiterkeit als den „servilen Sancho Pausa des Klerikalismus" bezeichnete, wobei der Redner den seligen Don Quixotte um Verzeihung bat, wenn er dabei an den Prinzen Liechtenstein denke. Noch weit mehr als durch seine Niederlage im Reichsrathe wurde Lueger in der öffentlichen Meinung durch ein Dementi des Kardinal Rampolla wegen einer von Lueger frei erfundenen angeblichen päpstlichen Aeußerung bloßgestellt. Die österreichischen Antisemiten haben, um ihrer Sache wieder aüfzuhelfen, den Versuch gemacht, den Prozeß von Polna wieder

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