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Im deutschen Reich · 1902-03-01 · Heft 3 (März 1902) · p. 160

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 3 (März 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-03-01
Page
160 (sequence 10)
Language
German
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IRI
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160 Im deutschen Reich. aufzufrischen. Sie verbreiteten das Gerücht, das; Leopold Hülsner in der Strafanstalt Pankratz um Wiederaufnahme des Verfahrens gebeten und sich bereit erklärt habe, seine Mitschuldigen zu nennen. Wie die Prager „Narodni Lisch" berichtete, war aber an der Sache kein wahres Wort. Ebenso verpuffte der Versuch, das Verschwinden einer Aussiger Dienstmagd Maria Krejsa zur Auffrischung von Ritualmordmärchen zu verwerthen und durch eine Interpellation des Abg. Dr. Eisenkolb im österreichischen Abgeordnetenhause sensationell aufbauschen zu lassen, weil die in Leitmeritz angeschwemmte Leiche der in gesegneten Umständen freiwillig in den Tod gegangenen Magd den neuen judenfeindlichen Vorstoß vereitelte. Daß solche frevelhaften Hetzereien und Massenaufwiegelungen den inneren Frieden der österreich-ungarischen Monarchie empfindlich schädigen, indem sie breite Volksschichten zur vollständigen Zügellosigkeit verleiten, ist den höchsten Kreisen Wiens vollständig klar; ihnen fehlt nur der energische Mann, der mit starker Hand das in das falsche antisemitische Fahrwasser gerathene Staatsschiff wieder in die gesetz- und verfassungsmäßige Bahn Zurückzuleiten verstünde, Als kürzlich eine Abordnung der Wiener jüdischen Kultusgemeinde dem Erzherzog und der Erzherzogin Rainer zur goldenen Hochzeit eine Glückwunsch-Adresse überreichte, bemerkte der Erzherzog: „Sie haben in den letzten Jahren manche schwere Stunde gehabt, wirklich ungerechtfertigt; wir beten Alle zu Einem Gott, wir in unseren Gotteshäusern und Sie in Ihren Synagogen, und wir sind Alle Oesterreicher ohne Unterschied der Eonsession und Ration; nur Einigkeit macht stark, und wir Oesterreicher brauchen die Einigkeit!" Rur wenn ein solches Gefühl der Zusammengehörigkeit der Staatsbürger der verschiedensten religiösen Bekenntnisse weiteren Kreisen sich mittheilt und das Verständniß für die dringende Nothwendigkeit solcher Einigkeit allgemein wird, kann das politische Leben in allen Kulturstaaten gesunden. Die mit!0 gegen 2 Stimmen erfolgte Freisprechung des ans ein völlig unglaubwürdiges Zeugnis; der Dienstmagd Vinecnla Grudsinöka hin eines Ritualmordvcrsucho beschuldigten jüdischen Barbiers David Blondes in Wilna hat bewiesen, daß auch iu Rußland die teuflischen Pläne der Ritualmordmärchcn-Dcrtretcr an der ehrenhaften und vorurtheitsfreien Gesinnung hochgebildeter Männer scheitern. Ueber die Verhandlung wird berichtet, daß das Personal der Geschworenen und Richter sich größtentheils aus Regierungsbeamten und Pädagogen rekrutierte. Der älteste Rath der Gouvernements-Verwaltung H. W. Baturin, der auch in der örtlichen Selbstverwaltung wegen seiner strengen Rechtlichkeit und hohen Begabung eine hervor-

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