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Im deutschen Reich · 1902-03-01 · Heft 3 (März 1902) · p. 156

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 3 (März 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-03-01
Page
156 (sequence 6)
Language
German
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156 Im deutschen Reich. Juden bestehe, erweckte also damit den Glauben, daß er jene Juden nicht ohne weiteres zu den Deutschen zähle. Die Antisemitenpresse hat sich beeilt, aus den Worten des Ministers weiter zu folgern, daß das Judenthum dem deutschen Volksthum noch fremder gegenüber stehe, als das Polenthum, und daß der „Ostmarkenvcrein" durch diese ministerielle Eintheilung über die Stellung der Juden zu den Germanisierungsverjuchen belehrt werden solle. In Wirklichkeit kann der Kriegsminister daran gar nicht gedacht haben, denn ihm konnte es unmöglich unbekannt sein, daß nicht nur der ihm erwünschte einstimmige Beschluß der Wreschener Stadtverwaltung wesentlich dein Einfluß des jüdischen Vorstehers der dortigen Stadtverwaltung zu danken war, sondern daß auch die übrigen fünf jüdischen Mitglieder derselben bei jeder Gelegenheit sich als gestnnungötüchtige deutsche Staatsbürger bewährt haben. Der bedauerliche lapsus linguae am Ministertische wird sie darin nicht irre machen; sie werden sich auch künftig als Stützen des Deutschthums zuverlässiger erweisen als mancher deutsche Anhänger des katholischen Centrums, das es nicht gern mit seinen polnischen Glaubensgenossen verderben möchte. Vielleicht liest Herr von Goßler einmal die Nummer der katholischen „Köln. Volkszeitung" vom 16. Februar nach, in der die Juden in Wreschen und in der ganzen Provinz Posen direkt aufgesordert werden, dem „Hakatismus" entgegenzutreten. Das Centrumsorgan unterscheidet Juden und Deutsche keineswegs, sondern macht eine ganz andere Eintheilung der deutschen Staatsbürger. Es sagt: „Es ist doch selbstverständlich, daß gegen eine Ausnahmegesetzgebung jeglicher Art wenigstens die Volkskreise und Elemente Front machen sollten, welche selbst Aussicht haben, unter Ausnahmegesetzen oder Ausnahmemaßregeln leiden zu können. Dazu rechnen wir 1. die Sozialdemokraten, 2. die Polen, Z. die Katholiken und 4. die Juden. Sie mögen untereinander entschieden sich bekämpfen, wie wir ja auch die schärfsten Gegner der Sozialdemokraten sind, aber darin sollten sie zusammenstehen, daß sie alle Ausnahmemaßregeln bekämpfen, welche gegen 'einen Theil gerichtet sind. Denn in dieser Beziehung gilt das: „Heute mir, morgen dir!" Hat das Prinzip der Ausnahmegefetzgebung erst sicher sich eingebürgert, so werden alle hier aufgezählten vier Klassen deutscher Staatsbürger darunter zu leiden haben; denn die Reaktion befolgt die strategischen Rezepte des ersten Napoleon, der es liebte, einen Gegner nach dem andern zu schlagen." Das klingt zwar ziemlich überzeugend, kann uns aber doch nicht dem Deutschthum entfremden, denn es ist ebenso irrthümlich, wenn im „Berl. Tageblatt." in einem am 1. März der-

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