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Im deutschen Reich · 1902-03-01 · Heft 3 (März 1902) · p. 153

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 3 (März 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-03-01
Page
153 (sequence 3)
Language
German
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Umschau. 153 Grafen zugejubelt, der seinem Landesherrn mit Revolution drohte, falls dieser nicht mittelalterliche Institutionen einführen und Judenplünderungen zulassen würde — nein, jene treuen brandenburgischen Bürger freuten sich unsäglich der Züchtigung jener vornehmen Herren, die an des Markgrafen Thüre die frechen Worte geschrieben hatten: ,,Jochimkitt hüte Dich, tucitn wir Dich kriegen, hängen wir Dich!" Heute aber sind wie damals die „Edleu" wilde Aufwiegler, aber sie besitzen den Muth ihrer Ahnen nicht, spielen sich vielmehr als Stützen von Thron und Altar auf, um dann ungestraft in öffentlicher Versammlung dem Landesherrn die rechte „Verbindung mit der Volksseele" abzusprecheu, wobei sie als Volk den kleinen Theil desselben hinstellen, den sie mit dem rothen Tuch des Judenhaffes irregeführt und willig gemacht haben, sich wieder in das Joch einer privilegierten Kaste spannen zu lassen. Bei harmlosen Zuhörern müssen solche widersinnigen Reden wie „Judengenoffcn treiben sich massenhaft herum in der Nähe der Throne" Glauben finden, wenn der Bruder eines Hosmarschalls solche Behauptungen aussicllt und der anwesende Vertreter der Behörde sie lächelnd anhört. Wenn ein Graf Pückler sagt: „Unsere auswärtige Politik ist gänzlich verfehlt; unsere Staatsmänner haben keinen Muth mehr" — kann dies das Vertrauen zur Staatsleitung gewiß nicht' stärken. Sein ganzes Verhalten ist auch nur zu geeignet, bei einfachen Leuten Zweifel daran zu erwecken, daß wir in einem Rechsstaate leben, in dem alle Bürger vor dem Gesetze gleich sind. Ein zur freisinnigen Volkspartei gehöriger Abgeordneter brachte es im Parlament zur Sprache, daß Pückler am 24. Februar öffentlich zu Gewaltthätigkeiten gegen die seinen Zuhörern begegnenden „schwarzgelockten Jünglinge und Damen" aufgefordert habe. Der Abg. Kreitling wies dabei darauf hin, daß der anwesende Pelizeileutnant dies ruhig mit angchört habe, während keine sozialdemokratische Versammlung im Falle solcher Ausführungen der Auflösung entgangen wäre. Der Minister des Innern hörte ebenfalls diesen deutlichen Hinweis ruhig mit an; vielleicht weil ihm bereits von seinen Beamten über den Verlauf der am 18. Jahrestage der Begründung des „Deutschen Antisemiten- Bundes" abgehaltenen Versammlung sowie über die dabei gehaltenen Reden ausführlicherBericht erstattet und in diesem wieder das Auditorium als ein zu Gewaltthätigkeiten nicht aufzureizendes geschildert war. Wie weit auch eine solche Gefahr ausgeschlossen ist, wenn HerrBruhn weiterhin mit dem „erplosiven" Grafen in der Provinz herumzieht und ihn wie in Schneidemühl am 21. Febr. eine seiner Drejchflegelreden halten läßt, wird hoffentlich Gegenstand behördlicher Erwägungen sein. Am 10. März verfiel abermals in Berlin eine Versammlung der Auflösung, weil Pückler

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