Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 3 (März 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-03-01
- Page
- 152 (sequence 2)
- Language
- German
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- Ruhla 1× ep/1045589
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152 $m deutschen Reich. wie es eigentlich zugeht im Lande. Dem Landgrafen erschrak das Herz im Leibe, als er aus der harten Rede des Schmieds die Stimmung des Volkes erkannte, und er nahm sich vor, dem greulichen Unfuge im Lande ein schleuniges Ende zu bereiten. Ganz umgewandeft verließ er die Schmiede von Ruhla und wurde scharf wie Eisen und hart wie Stahl; er faßte die Zügel der Regierung mit starker Hand und zog sie so straff, daß die edlen Rosse schäumten und sich bäumten, aber das Volk athmete freier auf; denn die Ritter und Edlen durften es nicht mehr quälen und schinden." Der gräfliche Erzähler, der die Erinnerung dieser volksthümlichm Geschichte mit dem ihm eigenen Pathos auffrischte, verschwieg, daß die ritterlichen „Bürger- und Bauernschinder" damals auf Befehl des Landgrafen vor den Pflug gespannt wurden und daß der in so vornehmer Weise bearbeitete Boden noch lange nachher den Namen „der Edelacker" trug. Offenbar dachte kein einziger unter den zumeist vom Judenhaß verblendeten Zuhörern daran, daß die Geschichte von einem Manne vorgetragen wurde, der sehr stelz ist auf seine Abstammung von jenen Rittern, in deren Frohndienste zur Zeit des wackern thüringischen Landgrafen der Bauer ein jämmerliches Dasein führte und die cs für kein Unrecht hielten, den an ihren Burgen' harmlos vorüberwandernden Bürger auszuplündern und zu mißhandeln. Unverkennbar aber sind doch das Ideal Pücklers und seiner Gesinnungsgenossen dieselben „Edlen," die sich unterfingen, kaiserliche Beamte durch den gleichen Zuruf zu beschimpfen, der auch in unserer Zeit in einer Versammlung des „Bundes der Landwirthe" einem Großgrundbesitzer entschlüpfte. Hat doch Graf Pückler selbst seine milden Richter als „Kerle von Moabit" bezeichnet, den mit seiner Verhaftung beauftragten sächsischen Gerichtsbeamten öffentlich verhöhnt und neuerdings wieder seine Mißachtung der behördlichen Organe durch die Drohung bekundet: dem „Polizeikerl", der ihn künftig verhaften würde, eine Portion Schrot in den Bauch zu schießen. Wahrscheinlich würde der von Pückler herbeigewünschte „hart gewordene Landgraf" solchen Gesetzesverächter zuerst vor den Pflug spannen, und der von ihm hochgepriesene energische preußische „Soldatenkönig" ihn sicher noch unsanfter behandeln, wohl gar mit dem Stock Mores lehren. Auch in Brandenburg haben ehemals „Ritter und Edle" gehaust; die sind aber mit Hilfe treuer Bürger durch mannhafte Fürsten mit eiserner Faust niedergehaltcn worden; auch auf märkischem Sande „schäumten und bäumten sich damals die edlen Rosse"; auch hier athmete das „Volk" freier auf, als die Ritter und „Edlen sie nicht mehr quälen durften." Damals fyrtt aber das Volk feinem