Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 3 (März 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-03-01
- Page
- 151 (sequence 1)
- Language
- German
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151 «s, MH ine kleine volksfreundliche Geschichte aus dem Thüringer Lande ®ÜsS> bildete kürzlich die Einleitung zu einer Pücklcr-Rede, welche aber gar nicht dazu angethan war, einen volksfreundlichen Eindruck zu erzielen. Thatsächlich vernichtete jene Rede durch spätere grobkörnige Ausfälle die Moral, welche sonst die Zuhörerschaft nothwendigerweise Weise aus der Erzählung von dem „Schmied zu Ruhla" hätte ziehen müssen. Der Vertragende leitete nämlich seine Rede mit folgenden Worten ein: „Landgraf Ludwig von Thüringen war jung zur Herrschaft gelangt; er war gütig und freundlich, strafte nicht gern, hatte zu allen Menschen das beste Vertrauen und wußte nicht, daß die Edlen im Lande seine Unterthanen schmählich bedrückten, und daß Bürger und Dauern viel böse Gewalt erleiden mußten. Da geschah es, daß der junge Landgraf eines Abends auf einem Jagdritt sich im Forste verirrte und in die Nähe des Ortes Ruhla kam; er sah das Feuer einer Waldschmiede durch die Nacht leuchten, ging darauf zu und bat den Schmied um Herberge; der Schmied kannte ihn nicht und fragte ihn, wer er sei. .Ich bin ein Jäger Eures Herrn, des Landgrafen." „O! weh dem Landgrafen!" rief der Schmied, „wehe über den gutmüthigen und doch freundlichen Herrn, um seinetwillen beherberge ich Dich nicht; doch komm her, zieh' Dein Pferd in den Schuppen, sitze nieder, iß und trinke, was da ist und ruhe auf dem Heu." Der Landgraf, ganz verwundert über diese grobe Rede, schwieg still, brachte sein Pferd unter Dach und kam wieder in die Schmiede. Der Schmied arbeitete ruhig weiter, schürte das Feuer, zog den Blasebalg, glühte und hitzte das Eisen, hämmerte luftig darauf los und rief bei den Schlägen fort und fort: „Landgraf, Landgraf, werde hart wie Eisen!" er schlug mit dem schweren Hammer, daß die Funken stoben, und erzählte alles der Reihe nach, worüber die Unterthanen im Lande klagten und jammerten, und erzählte von den Räthen, die alles bester wissen wollen und die ihren Fürsten niemals die reine Wahrheit sagen und ihm niemals berichten,