Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 3 (März 1902)
- Article
- Ein katholischer Edelmann über den Antisemitismus
- Date
- 1902-03-01
- Page
- 146 (sequence 18)
- Language
- German
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146 Fm deutschen Reich. Coudenhove beruft sich auf die 1822 erfolgte Gründung der Negerrepublik Liberia, die „ein Analogon einer derartigen Ansiedlung" bilde. Sie erfolgte bekanntlich durch amerikanische Philanthropen, damit diejenigen Neger sich dahin Zurückziehen könnten, denen politische und soziale Zurücksetzungen den Aufenthalt in Amerika verleiden. Indeß ist durch jene Gründung die Negerfrage in der Union nicht gelöst und der Lösung auch keinen Schritt naher geführt worden; Liberia aber dürfte ebenso wie Palästina den Erpansionsbestrebungen einer der Großmächte in nicht allzu ferner Zeit zum Opfer fallen. Daß jene Erpansionsbestrebungen weder durch Völkerrecht noch durch Humanität gehemmt werden, sollte auch dem Befangensten durch die jüngsten Vorgänge in Südafrika klar geworden sein. So würde durch die Gründung eines Judenstaates, selbst wenn sie möglich wäre, die durch die antisemitische Bewegung hervorgerufene Roth gar nicht dauernd gelindert werden. Weit mehr können wir Coudenhove zustimmen, wenn er in Hinsicht auf die antisemitische und auf die „Los von Rcm"-Bewegnng, auf Panislamismus und Panslavismus und die übrigen Momente eines neu aufflackernden religiösen Fanatismus an eine gemeinsame Bekämpfung jener Erscheinungen denkt. „Es thut Noth", so meint er, „daß alle jene, die tolerant denken und das Gute, sowie die Vorzüge einer jeden großen Religiorrsgcsellschast verstanden und eiugesehen haben, sich zusammenthun in Heuochs *) heiligem Namen zu einem großen Bunde, mit dem ausgesprochenen Zwecke, den Fanatismus, unter gleichzeitiger Hochhaltung und Wahrung ihrer eigenen Religion, überall zu bekämpfen, wo er auftritt, und besonders da, wo er gefährlich wird, um überall die Funken religiöser Conflikte rechtzeitig auszutreten. Jede Religion sollte studiert, das Gute in ihr beleuchtet und nachgewiesen und die Kenntniß darüber in die weitesten Kreise verbreitet werden." Sicher würden, wenn ein solcher Bund von christlicher Seite ins Leben gerufen wird, ihm auch viele unserer Glaubensgenossen beitreten und ihn nach Kräften unterstützen. Zurückhalten würden sich vor allem diejenigen, welche den Wahngebilden der zionistischen Schwärmerei nachlaufen, da eine Verminderung des religiösen Fanatismus und eine Ueberbrückung der von ihm neuerdings zwischen 5) Dieser hat nämlich „nach jüdischem, christlichem und muhamedanischem Glauben ein so heiliges Leben geführt, daß Gon ihn zu sich berufen, ohne ihn das Leiden des Todes kosten zu lassen". Vergl. über ihn Coudenhove S. 510.