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Im deutschen Reich · 1902-03-01 · Heft 3 (März 1902) · p. 145

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 3 (März 1902)
Article
Ein katholischer Edelmann über den Antisemitismus
Date
1902-03-01
Page
145 (sequence 17)
Language
German
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Ein katholischer Edelmann über den Antisemitismus. 14b 1867 publiciert, welches volle Gleichberechtigung der Oesterreicher auf allen Gebieten staatlichen Lebens und volle Religionsfreiheit ausdrücklich gewährleistet1). 4. Sonstiges. Auch über die Ausdehnung und Berechtigung der zionistischen Bewegung bringt Graf Coudenhove manches Irrtümliche; er scheint sie nur aus den Mittheilungen ihrer Anhänger zu kennen?). Allerdings sieht auch er ein, daß das Ziel dieser Bewegung unerreichbar ist. Wenigstens führt er aus, daß ein Wiederaufbau des Tempels zu Jerusalem, der mit der Wiedererrichtung eines jüdischen Staates in Palästina unvermeidlich verbunden wäre, von den „gläubigen Christen" als ein „colossales Dementi der christlichen Lehre" aufgefaßt werden würde; hat doch Christus „geweiffagt, der Tempel zu Jerusalem werde für immer zerstört werden". Deßhalb würden viele christliche Theologen „alles, was in ihrer Macht liegt, thun, um zu verhindern, daß die Juden je in eine Lage hineingerathen, in welcher sie das Kunststück des Wiederaufbaues probieren können". „Sollte es je so weit kommen, daß alle Vorbereitungen zum Erodus getroffen erscheinen, und stellen sich dann über Nacht unerwartete Hindernisse ein, so werden die Juden wenigstens wissen, wo jene zu suchen sind, die die Riegel vorschieben". Dies Wissen würde den Juden dann freilich wenig nützen. Graf Coudenhove räth aber zur Errichtung eines Judenstaates im heutigen Sultanate Marokko. Dafür sollten sich auch die Großmächte interessieren, da sonst blutige Katastrophen eintreten könnten, die sich nicht nur gegen die Juden, sondern auch gegen alle besitzenden Christen richten würden. Wäre ein Judenstaat vorhanden, so würde die Ausweisung der Juden sicherlich engherzig und unklug, aber nicht mehr grausam sein!! Würde Graf Coudenhove es nicht als Grausamkeit empfinden, wenn er unschuldig aus seiner Heimath verbannt würde, auch wenn andere Staa!cn bereit wären, ihm den Aufenthalt bei sich zu gestatten? Auch ist, wie in dieser Zeitschrift schon oftausgeführt ist, die Errichtung eines Judenstaates eine vollkommene Utopie, welche Kenner von Geschichte und Politik überhaupt nicht ernstlich in Erwägung ziehen sollten. Ihre Verwirklichung würde außerdem die Lage der Juden überall verschlechtern, da man uns dann mit mehr Recht als jetzt der Sympathie mit dem Auslande bezichtigen würde. i) Vcrgl. Tie Völker Oestcrreich.Ungarns VII (1867), S. 65. 3) Sonst hätte er sich S. 485, Abs. 2 sicher anders ausgedrückt. 3) S. Z. B. II 158 ff. III 184, 185, 532, V 405, 025 Je.

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