Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 3 (März 1902)
- Article
- Ein katholischer Edelmann über den Antisemitismus
- Date
- 1902-03-01
- Page
- 141 (sequence 13)
- Language
- German
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Ein katholischer Edelmann über den Antisemitismus. 141 Standpunkt steht, daß auch die Religion des Buddhisten, Parsi :c. Achtung verdient, sollte nicht vergessen, daß diese Ueberzeuzung, die leider noch lange nicht allgemein geworden ist, auf der wissenschaftlichen Thätigkeit des 19. Jahrhunderts beruht. Den Verfassern der Bibel und den Lehrern des Talmuds, deren späteste vor mehr als 1000 Jahren gestorben sind, darf daraus kein Vorwurf gemacht werden, daß ihnen eine Erkenntnis) fehlte, die erst durch die Lebensarbeit eines Mar Müller und anderer Forscher des 19. Jahrhunderts der Menschheit zu Theil wurde! 3. Warum erhielten wir daS Bürgerrecht? Graf Coudcnhove meint (S. 478, 479), nur der „malhematischen Denkweise" der französischen Revolutionsmänner verdankten die Juden ihre rechtliche Gleichstellung. Weil alle Menschen „von Natur bestimmte Rechte haben", die Juden aber Menschen sind, habe man ihnen gewiffermaßen „aus PrinZipienreiterei" Zunächst in Frankreich die „Menschenrechte" und dann in den übrigen Staaten West- und Mitteleuropas das Bürgerrecht gegeben. Dazu habe man durch die Emancipation der Juden der Kirche einen Schlag versetzen wollen. Wenn Coudcnhove auch alles, was er über die „mathematische Denkweise" als Ursache unseres Bürgerrechts sagt, einer Rede eines unserer Glaubensgenossen, nämlich des bekannten Zionistenführers Theodor Her.zl, entnimmt, so sind die bezüglichen Ausführungen doch ganz verkehrt, da sie die Ertheilung des Staatsbürgerrechts an die Juden, die Judenemancipatien, wie man sie ihrer Zeit nannte, in falschem Lichte erscheinen lasten. In der Bemerkung vollends, daß uns die Bürgerrechte ertheilt seien, um „die Kirche zu ärgern", dürfte Graf Coudenhove ausnahmsweise sich von dem Gedankenkreise seines „Freundes" Rohling haben beeinflusten lasten, mit dem er „Stunden lang über die Judenfrage gesprochen" haty. Graf Coudenhove selbst erklärt an anderer Stelle (S. 253), daß. „vor dem Lichte der Aufklärung" feit der zweiten Hälfte des *) Zur Beruhigung des Lesers über die Gesinnungen des von mir sonst so hochgeschätzten Grafen sei aber hier dessen Urtheil über Rohling wiedergegeben: »Nun behaupte ich, daß Profeffor Rohling durch seine theologischen und mystischen Studien in einen Zustand versetzt ist, der einer partiellen Hirnlähmung und der Staarblindheit gleichkommt. Er ist, da er seinem Hange zur Mystik nachgegeben, nach meiner Meinung nicht mehr fähig, die einfachsten Dinge der Welt objektiv zu beurtheilen, sobald dieselben mit dem katholischen Glauben in entfernter Beziehung stehen."