Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 3 (März 1902)
- Article
- Ein katholischer Edelmann über den Antisemitismus
- Date
- 1902-03-01
- Page
- 136 (sequence 8)
- Language
- German
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13G Im deutschen Reich. Nathan ausgesprochen. So meint auch Coudenhove, alle religiösen Verfolgungen wären dadurch entstanden, daß das Judenthum zuerst den Grundsatz aufgestellt habe, „daß es nur eine wahre Religion gebe, und daß der Cult anderer Götter als des in ihr offenbarten ein Greuel und ein strafwürdiges Verbrechen" sei. Das Juden'.thum habe auch zuerst gelehrt, daß Teilnahme an fremden Gottesdiensten ..eine schwere Sünde" sei. ,,die mit der ewigen Höllenpein gestraft" werde und nicht einmal durch Lebensgefahr, geschweige denn durch „Courtoisie" entschuldigt werden könne. Auch den Grundsatz, „daß man lieber das Leben opfern müsse, als die einzig richtige Religion", hätten zuerst Juden aufgestellt. Diese jüdischen Grundsätze allein hätten „aber das Martyrium in Judenthum, Christenthum und Islam überhaupt möglich gemacht, ohne sie wäre es überhaupt undenkbar." (S. 508f ,")09). — Es ist nun nicht besonders schwierig, zu erweisen, daß die den wiedergegebenen Worten zu Grunde liegende Anschauung, die Juden hätten den religiösen Fanatismus und das religiöse Martyrium gewissermaßen erfunden, durchaus irrthümlich ist. Coudenhove erzählt selbst gelegentlich, daß sich beides auch bei den persischen Feueranbetern finde, meint aber, daß sie von den monotheistischen Religionen angesteckt seien. Lag diese Ansteckung aber vielleicht auch schon zu den Zeiten des alten Herodot vor. welcher bekanntlich im fünften Jahrhundert vor Christus schrieb? Er sagt in seinem bekannten Geschichtswerke I, 131, daß die Perser es nicht für erlaubt hielten, Götterbilder, Tempel und Altäre zu errichten und dies denjenigen, die es thäten, als Thorheit anrechneten. Wenn die persischen Könige aus politischen Gründen tolerant gegen die Juden waren, so haben sie doch gegen die Tempel und Gottesdienste in Aegypten und Griechenland schonungslosen Fanatismus gezeigt. Allgemein bekannt ist, daß der persische König Kambyses die ägyptische Religion verspottete und eigenhändig den heiligen Apisstier tödtete. C Im alten Aegypten selbst aber begegnen wir einem Könige Amenothes IV, welcher den Cult des Sonnengottes zur Staatsreligion erhebend die Namen der anderen Götter austilgen und ihre Statuen zerbrechenJließ.2) Auch die Hellenen waren durchaus nicht von religiösem Fanatismus frei, ehe sie mit den Juden in Berührung kamen. Dies zeigt doch klar genug ihr Vorgehen gegen die edelsten Volksgenossen, *) Vgl. Plew, Die Griechen in ihrem Verhältnis zu den Gottheiten fremder Völker. (Danzig 1876) S. 2. 2) Vgl. Tiele, Gesch. der Religion im Alterthum l i'rlu'rs. von Gcrich (Gotha 1896) S. 88.