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Im deutschen Reich · 1902-03-01 · Heft 3 (März 1902) · p. 134

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 3 (März 1902)
Article
Ein katholischer Edelmann über den Antisemitismus
Date
1902-03-01
Page
134 (sequence 6)
Language
German
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134 Im deutschen Reich. bezeichnet — der Umstand, daß er bei der Untersuchung, ob die gegen uns erhobenen Vorwürfe berechtigt sind, sich auch von ererbten und erworbenen Vorurtheilen nicht beeinflussen ließ. Denn als er daran ging, ,,die Jndenfrage zu studieren und ein Buch über dieselbe zu schreiben," glaubte er, daß dies „antisemitisch ausfallen würde." Als adliger Officier und Diplomat sowie als Sohn eines konservativen Herrenhausmitgliedes lebte er gewissermaßen selbstverständlich in einem stark antisemitischen Kreise; ja die geistigen Führer und Gewährsmänner des Antisemitismus in Oesterreich, Professor Rohling und Professor Wahrmund sowie den Jesuiten Victor Kolb, nennt er noch heute seine „Freunde." Hingegen würden sich, wie er erzählt, nur etwa drei von seinen christlichen Freunden und Bekannten als philosemitisch bezeichnen lassen. Außerdem hatte Eoudenhove auch in jüngeren Jahren „mit jüdischen Wucherern die denkbar unangenehmsten Erfahrungen gemacht." Und trotzdem kommt er heute auf Grund eines „ernsten' und gründlichen Studiums der Sache" zur schroffsten Verurteilung aller Formen des Antisemitismus. Sicher könnte es mich reizen, hier Zur Bekräftigung des Gesagten eine kürzere oder längere Inhaltsangabe des wertvollen Werkes zu versuchen. Wenn ich aber den mir zur Verfügung stehenden Raum nicht überschreiten will, kann ich dem Leser dieses Aufsatzes die Lektüre der Schrift Coudenhoves nur angelegentlichst empfehlen. Dagegen sei es mir gestattet, einige Ausführungen Coudenhoves, die ich vor allen Dingen unter uns verbreitet sehen möchte, in Kürze wiederzugeben. Vorher aber dürfte es wohl angebracht sein, diejenigen Behauptungen des Buches zu widerlegen, welche durchaus irrthümlich sind, und wenn auch gewiß sehr gegen den Willen der Verfassers von unseren Feinden benutzt werden könnten. Gras Eoudenhove wird mir auch diese Polemik um so weniger verargen, als er selbst S. 524 in seiner Form um Nachweis von Jrrthümern bittet, „um dieselben in späteren Arbeiten corrigieren, respective vermeiden zu können". Nur sollen „diese Kritiken wissenschaftlich begründet" werden! Dies wird aber bei der meinigen der Fall sein. I. Widerlegung der Jrrthümer Graf Coudenhove's a) Die Erfinder von Fanatismus und „Molochismus". Meisterhaft weist Graf Eoudenhove nach, daß das Wesen des Antisemitismus nichts weiter ist als „fanatischer Religionshaß". Natürlich giebt er zu, — welcher Verständige wollte es leugnen? — daß die Menschengruppe, welche heute die Judenheit bildet, sich von ihrer Umgebung vielfach im Aussehen, Fühlen und Handeln unterscheidet,

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