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Im deutschen Reich · 1902-03-01 · Heft 3 (März 1902) · p. 133

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 3 (März 1902)
Article
Ein katholischer Edelmann über den Antisemitismus
Date
1902-03-01
Page
133 (sequence 5)
Language
German
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Ein katholischer Edelmann über den Antisemitismus. 133 Hat sich der Verfasser unserer Schrift auch mit dem Eifer eines Gelehrten in die von ihm behandelten Fragen vertieft, so ist es keiner Schrift doch zu gute gekommen, daß ihr Autor nicht Gelehrter von Beruf ist, sondern in seiner Jugend seinem Datcrlande als Officier und Diplomat gedicnt'chat. Sein diplomatischer Beruf, der ihn bis nach Indien und Ostasien führte, bat ihn mit Menschen der verschiedensten Confessionen zusammengcführt und ihn so jene Erkenntniß gewinnen lassen, daß „es in allen Religionen gute und schlechte Menschen giebl." Nur schade, daß diese Erkenntniß heute noch so vielen und ganz besonders den meisten Mitgliedern des nur uüteinander verkehrenden Hochadels fehlt; sonst würden jene Kreise der antisemitischen Voltsverhetzung nicht so viel Sympathie entgegenbringen. In dem vorliegenden Werke treten freilich nur die guten Seiten aristokratischer Geburt, Erziehung und Gesinnung hervor. Muß man doch als seinen HauptcharakterZng die wahrhaft vornehme Gesinnung des Autors bezeichnen. Fcucrbach sagt einmal, jede Lektüre lasse sich mit einem Gespräche vergleichen, bei dem man Einblicke in das Geistes¬ und Gcmüthsleben eines Mitmenschen gewinnt. Die Lektüre der Schrift Graf Eoudenheve's hinterläßt den Eindruck, daß man mit jemanden zusammen war, der als wirklicher Edelmann, als Edelmensch zu betrachten ist. Die echte Vornehmheit unseres Autors zeigt sich schon im Stile, der stets feffel"?, oft humoristisch doch alles vermeidet, was Menschen von edler Gesinnung nur zuwider sein kann; daher fehlen namentlich jene albernen Späße, die nicht nur den Antisemiten, sondern auch vielen Gegnern des Antisemitismus gleichsam durch höhere Gewalt in die Feder zu laufen scheinen, sobald sie jüdische Dinge berühren. Klar und fest sagt Graf Eondenhove seine Ansicht, aber fern liegt ihm jenes wüste Schimpfen auf die Gegner, das unsere Publieisrik jo oft entstellt. Noch mehr als im Stile zeigt sich die Vornehmheit aber in dem Inhalte der Schrift Eoudeuhoves. Selbst wo wir ihm nicht zustimmen können — und das ist bei mehreren Ausführungen der Fall, — müssen wir ihm doch zugestehen, daß seine, wir wir glauben, irrigen Ansichten nicht leichthin, sondern auf Grundlage eingehenden Studiums gewonnen sind. So ist es überhaupt eine außerordentliche Wahrheitsliebe, Treue und Gewissenhaftigkeit, die uns in allen Theilen des Werkes mit höchster Sympathie für den Autor erfüllt. Weder Menschenfurcht noch Rücksicht auf Standesgenoffen oder Freunde haben Graf Eondenhove in der Veröffentlichung des von ihm als richtig Erkannten beeinflußt; noch viel mehr zeigt ihn als wirklichen Arier — das ursprünglich garnichts anderes als „vornehm"

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